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16.02.2015

Journalisten als Zeugen im NSU-Ausschuss

Stuttgart. Der Journalist Thumilan Selvakumaran stellt die bisherigen Ermittlungsergebnisse zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn infrage. Im Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags zum rechtsterroristischen NSU kritisierte er am Montag, die Ermittler hätten sich zu früh auf eine Zwei-Täter-Theorie festgelegt. Auch könne er auf Phantombildern zu dem Mord in Heilbronn keine Ähnlichkeit mit den NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt feststellen.

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Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Kiesewetter und ihr Polizeikollege Zufallsopfer des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) waren. Der Journalist Selvakumaran, der für das «Haller Tagblatt» arbeitet, forderte den Ausschuss auf, auch noch einmal mögliche Verbindungen von Kiesewetter und ihrer Familie ins rechte Milieu zu durchleuchten.

Hingegen stützte der Terrorexperte des Südwestrundfunks (SWR), Holger Schmidt, die Auffassung der Bundesanwaltschaft, wonach es keine persönliche Verbindung zwischen Kiesewetter und dem NSU gab. Die NSU-Terroristen hätten die Polizisten und ihren Kollegen ausgewählt, weil diese als Polizisten Vertreter des Staates gewesen seien, sagte Schmidt. Das stehe für ihn fest. Als Trophäen hätten die Terroristen die Waffen der Beamten mitgenommen.

Schmidt verfolgt den Prozess am Oberlandesgericht München gegen das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe. Dem NSU werden zehn Morde von 2000 bis 2007 zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an Kiesewetter.

Die früheren Obleute des NSU-Ausschusses im Bundestag, Clemens Binninger (CDU) und Eva Högl (SPD), bezweifeln, dass Kiesewetter ein Zufallsopfer der Rechtsterroristen war. Der Untersuchungsausschuss des Landtags wollte am Montag auch den Publizisten Stefan Aust befragen. Der frühere «Spiegel»-Chefredakteur ist Mitautor des Buches «Heimatschutz» über die NSU-Mordserie.