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Jürgen Trittin (Foto) attackiert Bahnchef Grube.
Jürgen Trittin attackiert Bahnchef Grube © dpa
16.10.2010

Jürgen Trittin attackiert Bahnchef Grube

STUTTGART/BERLIN. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin wirft Bahnchef Rüdiger Grube vor, die Schlichtungsbemühungen von Heiner Geißler für das Bahnprojekt Stuttgart 21 zu torpedieren. Trittin sagte «Bild am Sonntag: «Offensichtlich glaubt Herr Grube, eine Schlichtung sei ein bisschen Beruhigungsheiteitei für die Gegner. Er eskaliert, provoziert, polarisiert. Und er untergräbt jeden Schlichtungsvorschlag von Herrn Geißler.»

Trittin warnte nachdrücklich davor, den Tunnelbau während der Schlichtungsphase weiter voran zu treiben: «Während der Schlichtung dürfen keine Fakten geschaffen werden, die eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung vorwegnehmen. Deshalb darf Grube jetzt keinen Auftrag über 800 Millionen für den Tunnelbau vergeben. So schafft er Schadensersatzansprüche von morgen.»

Nach Trittins Worten muss andernfalls der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG seinen Vorstandsvorsitzenden stoppen. «Wir wollen den Bahnchef davor schützen, sich am Geld der Steuerzahler zu versündigen, indem er jetzt einen Tunnel bestellt, der möglicherweise gar nicht gebaut wird. Da muss der Aufsichtsrat der Bahn, in dem vier Bundesministerien sitzen, einschreiten und seinen Angestellten Grube stoppen.»

Der Fraktionschef der Grünen kritisierte weiter: «Die Bahn rechnet die explodierenden Kosten jetzt künstlich von 4,8 auf 4,1 Milliarden Euro herunter. Aber alle Einsparmaßnahmen sind weder beantragt geschweige denn durch das Eisenbahnbundesamt genehmigt worden.» Trittin weiter: «Herr Grube verweigert bei der Kostenkalkulation schlicht und ergreifend jede Transparenz.»

Nach Ansicht des Grünen-Politikers werden unter dem Stuttgarter Großprojekt bundesweit wichtige Bahnausbau-Projekte leiden: «Was hier im Bahnhof und entlang der Neubaustrecke nach Ulm an Geld verbaut wird, fehlt im Rheintal für den Ausbau des Güterschienenverkehrs Richtung Alpen, fehlt bei der Hafenanbindung der Schiene in Niedersachsen und Hamburg, fehlt bei der Beschleunigung des Regionalverkehrs im Ruhrgebiet.»