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Nun ist es amtlich: «Dr. Tod», einer der grausamsten und meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher, ist nach Überzeugung der Behörden tot. Das Verfahren gegen den KZ-Arzt Aribert Heim wurde eingestellt.
Nun ist es amtlich: «Dr. Tod», einer der grausamsten und meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher, ist nach Überzeugung der Behörden tot. Das Verfahren gegen den KZ-Arzt Aribert Heim wurde eingestellt. © dpa
21.09.2012

KZ-Verbrecher Aribert Heim ist tot - Verfahren eingestellt

Baden-Baden. Einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher ist jetzt von Amts wegen für tot erklärt worden: Das Landgericht Baden-Baden stellte das Strafverfahren wegen mehrfachen Mordes gegen den lange gesuchten KZ-Arzt Aribert Heim ein.

Nach Angaben des Gerichts vom Freitag gehen die Ermittler nach langwierigen Nachprüfungen davon aus, dass Heim unter falschem Namen in Ägypten gelebt hat und 1992 in Kairo im Alter von 78 Jahren an Krebs gestorben ist.

Wegen seiner Grausamkeit war Heim in Nazi-Konzentrationslagern «Dr. Tod» genannt worden. Als Revierarzt im österreichischen Konzentrationslager Mauthausen soll er von Oktober bis November 1941 in zahlreichen Fällen Häftlinge durch Spritzen oder nicht notwendige Operationen grausam getötet haben. Heim praktizierte nach dem Krieg als Frauenarzt in Bad Nauheim und Baden-Baden. In dem Kurort am Rand des Schwarzwaldes hatte er bis zu seiner Flucht 1962 gewohnt.

Zielfahnder des baden-württembergischen Landeskriminalamtes (LKA) hatten über Jahre in Ägypten versucht, den Aufenthaltsort Heims zu ermitteln. Heim soll 30 Jahre in Ägypten unter falschen Namen gelebt haben. Meldungen über seinen Tod hatten Fahnder und Nazi-Jäger stets infrage gestellt. Neue Unterlagen aus Ägypten sowie biologische, chemische und physikalische Untersuchungen brachten nun Klarheit.

Heim wurde seit 1979 vom Landgericht Baden-Baden per internationalem Haftbefehl und Steckbrief gesucht. Trotz jahrzehntelanger Ermittlungen in ganz Europa und Südamerika gelang es bis 2009 nicht, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln.

Nach Berichten der «New York Times» und des ZDF im Februar 2009 wurde vermutet, dass sich der NS-Verbrecher zunächst über Jahre unter seinem zweiten Vornamen Ferdinand Heim in Kairo versteckt gehalten hatte. Später soll er konvertiert und unter dem Namen Tarek Hussein Farid bis zu seinem Tod 1992 in Kairo gelebt haben.

Lange war unklar, ob der am 10. August 1992 gestorbene Tarek Hussein Farid mit Heim identisch ist. In diesem Frühjahr legte der Verteidiger des Angeschuldigten neben weiteren Unterlagen schließlich eine Urkunde über dessen Konvertierung vor. LKA-Experten bestätigten nun die Echtheit der Urkunde. Laut Gericht hätten auch die «glaubhaften Angaben» des Sohnes von Heim keine Zweifel daran gelassen, dass der Angeschuldigte mit Tarek Hussein Farid identisch war und 1992 gestorben ist.