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04.03.2011

Kachelmann wieder als Wettermoderator auf Sendung

ASCHAFFENBURG/MANNHEIM.Deutschlands bekanntester Wettermoderator Jörg Kachelmann ist wieder auf Sendung. Beim Privatradio Primavera in Aschaffenburg präsentierte der 52-Jährige am Freitag das Wochenendwetter und die Aussichten bis Aschermittwoch. Gewohnt lässig, aber professionell und mit lockeren Sprüchen - scheinbar unbeeindruckt vom Rummel um seine Person und die Anklage gegen ihn.

Denn der frühere ARD-Wetterexperte muss sich seit sechs Monaten vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Kachelmann wird beschuldigt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Erstmals seit seiner Festnahme im vergangenen März arbeitet der Schweizer wieder in Deutschland, auch wenn er seine Beiträge in der Schweiz aufnimmt und nach Aschaffenburg überspielt.

Die Zuhörer merken nicht, dass er nicht im Funkhaus der fränkischen Kleinstadt steht, wenn er verkündet: „Heute blau, morgen blau und übermorgen auch, das wünschen sich viele in Sachen Himmel über dem Primavera-Land am Wochenende.“ Doch die sonnigen Aussichten seien etwas getrübt. „Es kommt kältere Luft von Norden.“ „Schüchterne Nieseltröpfchen“ seien auch dabei, sagte ein offensichtlich gut gelaunter Kachelmann. Er liebt Wortspiele.

In Deutschland hat Kachelmann - Gründer des Wetterdienstes Meteomedia - die Wettervorhersage umgekrempelt. 2002 übernahm er in der ARD die Sendung „Das Wetter im Ersten“. Meist im übergroßen Anzug und mit langen Haaren moderierte er wortreich und manchmal flapsig an- und abziehende Fronten. Eine Rückkehr ins Fernsehen hat der 52-Jährige bisher ausgeschlossen. Im vergangenen Juli wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen, seit Januar moderiert er bereits bei einem Schweizer Radiosender, künftig auch im Rhein-Main-Gebiet. In den nächsten zwölf Monaten soll er freitags und samstags das Wochenendwetter bei Radio Primavera präsentieren.

„Wunderbar, perfekt, sehr gut umgesetzt, sehr viele Ortskennungen drin“, sagte der Chefredakteur des Senders, Marco Maier, nach der Ausstrahlung des mehr als zwei Minuten langen Kachelmann-Stücks. „Er ist ein Gewinn für unser Programm.“ Dass der eine oder andere Hörer künftig wegen des Angeklagten Kachelmann umschalten könnte, macht Maier keine Sorgen. Für ihn gilt: Solange sein neuer Wetterfrosch nicht wegen Vergewaltigung verurteilt wird, solange ist er auch für ihn unschuldig.