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31.03.2011

Kachelmann-Geliebte log Staatsanwälte an

MANNHEIM. Mehrmals mahnten die Ermittler Kachelmanns Ex- Geliebte, die Wahrheit zu sagen - doch in einem Punkt log das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer zunächst beharrlich. Das berichteten die Staatsanwälte am Donnerstag bei ihrer Vernehmung als Zeugen vor dem Landgericht Mannheim. Schon zu einem frühen Zeitpunkt hätten sie über eine Haftentlassung nachgedacht - doch letztlich blieben sie vom Tatverdacht gegen den Moderator überzeugt.

Es war ein ungewohnter Auftritt der beiden Staatsanwälte Oskar Gattner und Lars-Torben Oltrogge: Ihre Roben hatten sie gegen ähnlich aussehende, rustikale braune Jacketts eingetauscht, um als Zeugen über ihre Ermittlungen im Fall Jörg Kachelmann zu berichten. Dabei ging es vor allem um die Vernehmung des mutmaßlichen Opfers Simone W. (Name geändert), die erstmals in öffentlicher Verhandlung erörtert wurde. Die Radiomoderatorin hatte zunächst behauptet, sie habe erst am Tattag aus einem anonymen Schreiben erfahren, dass Kachelmann eine Beziehung zu einer anderen Frau habe.

Dann jedoch ergab die Auswertung der Daten auf ihrem Computer, dass sie schon vorher über Facebook Kontakt zu einer anderen Geliebten hatte. „Das war ein einschneidender Tag“, berichtete Oberstaatsanwalt Oskar Gatter. Konnte man Simone W. noch glauben? Die Ermittler waren sich recht früh einig: Selbst wenn sie in einem Punkt gelogen hatte, müsse dies nicht bedeuten, dass sie auch im Hinblick auf das „Kerngeschehen“, also die vorgeworfene Vergewaltigung, die Unwahrheit sagte.

Am 20. April vernahmen Oltrogge und Gattner die ehemalige Geliebte. Sie räumte ein, dass sie Mailkontakt zu einer anderen Geliebten hatte. Sie habe jedoch zunächst gehofft, dass es „nur ein Missverständnis ist“. Dann aber habe sie einen anonymen Brief erhalten - mit einer Kopie von Flugtickets, die auf Kachelmann und eine andere Frau lauteten. Diesen Brief habe sie am 8. Februar erhalten, also dem Tag der behaupteten Vergewaltigung.

Staatsanwalt Oltrogge fragte mehrmals nach und ermahnte die Frau: „Ihnen muss klar sein, dass, wenn das wieder nicht stimmt, Sie in Teufels Küche kommen.“ Doch Simone W. blieb bei ihrer Version. Erst in einer Vernehmungspause ließ sie über ihren Anwalt ausrichten, dass sie noch etwas zu sagen habe. Dann gab sie zu, dass sie schon Monate vorher die Kopien der Tickets bekommen habe. Sie habe an der Lüge festgehalten, weil sie befürchtet habe, man würde ihr sonst gar nichts mehr glauben.

Nach der Vernehmung sei Simone W. in Tränen ausgebrochen. „Jetzt kommt er doch bestimmt frei“, habe sie gesagt. Oltrogge beruhigte sie jedoch - für die Staatsanwälte änderten diese Lügen nichts am dringenden Tatverdacht. Allerdings: „Wenn sie nicht die Aussage korrigiert hätte, stand in der Diskussion, ob es nicht zu einer Haftentlassung gekommen wäre“, sagte Oltrogge.

So jedoch dauerte es noch mehr als drei Monate, bis Kachelmann auf Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe am 29. Juli 2010 bis zum Prozess aus der Untersuchungshaft freigelassen wurde. Zentrales Argument dabei: Die Nebenklägerin habe „bei der Anzeigeerstattung und im weiteren Verlauf des Ermittlungsverfahrens (...) zunächst unzutreffende Angaben gemacht“.