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Wer folgt Wolfgang Schuster auf den Chefsessel im Stuttgarter Rathaus? Die Kür der Kandidaten für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl läuft an.
Wer folgt Wolfgang Schuster auf den Chefsessel im Stuttgarter Rathaus? Die Kür der Kandidaten für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl läuft an. © dpa
14.03.2012

Kandidatenkür für Stuttgarter OB-Wahl läuft an

Stuttgart. Die Parteien starten in dieser Woche mit der Kür ihrer Kandidaten für die Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters. Den Auftakt machen die Grünen an diesem Donnerstag (15. März) mit einem Nominierungs-Kreisparteitag. Einziger Kandidat ist bislang Fritz Kuhn, der vor kurzem sein Amt als Vize der Grünen-Bundestagsfraktion niedergelegt hat.

Spannender ist die Situation bei der CDU, bei der am Samstag zwei Bewerber gegeneinander antreten: der parteilose Unternehmer und Werbeprofi Sebastian Turner sowie der ehemalige Sozialminister und frühere Singener Oberbürgermeister Andreas Renner (CDU), der derzeit für die EnBW tätig ist. Rund 600 Mitglieder werden zum Duell der Aspiranten und der Wahl erwartet. Der Nachfolger des langjährigen OB Wolfgang Schuster (CDU) soll am 7. Oktober gewählt werden.

Bei der FDP ist noch unklar, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellt oder möglicherweise den der Christdemokraten unterstützt. «Wir setzen uns nicht unter Zeitdruck», sagt FDP-Generalsekretärin Gabriele Heise. Die SPD hält sich völlig bedeckt, will aber bis Ende März auch ihren Kandidaten nominiert haben. Nach einem Bericht der «Stuttgarter Nachrichten» könnte sich bei den Sozialdemokraten der Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen, Jürgen Kessing (SPD), als heißer Kandidat herauskristallisieren. Zudem erwägen die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. An diesem Samstag wird vermutlich die Entscheidung darüber fallen.

Zum Unmut seiner Parteifreunde hatte der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann den Berliner Werbemanager Turner vorgeschlagen. Daraufhin war Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) mit einer Empfehlung für Renner nach vorne geprescht. Zudem hatten sich der Chef der CDU-Fraktion im Landtag, Peter Hauk, und Ex-Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder für den EnBW-Lobbyisten ausgesprochen.

Für Kaufmann gilt die erste Kandidatenkür durch einen mitgliederoffenen Parteitag bei der Stuttgarter CDU als Weichenstellung für seine künftige Stellung als Chef des Kreisverbands mit rund 3200 Mitgliedern. Beobachter gehen davon aus, dass er durch einen Sieg Renners geschwächt wäre.

Die beiden CDU-Aspiranten machen derweil nicht gerade positiv von sich reden: Der Auftritt des Werbegurus Turner, der den bekannten Slogan «Wir können alles. Außer Hochdeutsch» prägte, auf der Internetplattform Youtube wirkt nicht gerade professionell. Aber auch Renner ist im Vorwahlkampf der CDU schon leicht gestolpert: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit seiner Biografie.

Sie prüft die Angabe Renners in einem Schreiben an CDU-Mitglieder und auf einem Werbeblatt, 1992/1993 an der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg einen Master of Governmental Management erworben zu haben. Renner hatte vor einigen Tagen gesagt, der Master-Titel sei einem Übersetzungsfehler geschuldet und ein «blöder Fehler». Mittlerweile ist bei der Staatsanwaltschaft, die ursprünglich auf den Hinweis eines Journalisten tätig wurde, auch eine offizielle Strafanzeige eingegangen. dpa

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