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Karlsruhe in Europa auf Platz vier der IT-Regionen.
Karlsruhe in Europa auf Platz vier der IT-Regionen © dpa
19.05.2014

Karlsruhe in Europa auf Platz vier der IT-Regionen

Karlsruh. München, London, Paris sind die leistungsfähigsten Standorte der Informations- und Kommunikationstechnik in Europa. Und dann kommt gleich Karlsruhe. Der vierte Platz in einer Studie der EU hat die Stadt überrascht und gefreut.

«Wir sind damit in einer Liga mit den großen Metropolen Europas», sagt der Chef der Wirtschaftsförderung bei der Stadt Karlsruhe, Michael Kaiser. «Wir sehen das als Bestätigung unserer Arbeit für unseren IT-Standort.»

Der «Atlas der IKT-Aktivität in Europa» - IKT steht für die Informations- und Kommunikationstechnologien - führt 34 Hochleistungsregionen der Branche auf, aus zehn EU-Ländern. Darunter sind allein zwölf in Deutschland. Aus Baden-Württemberg sind neben Karlsruhe auf Platz vier auch Stuttgart (21.) und Heidelberg (22.) vertreten. Die Verfasser der Studie, in der Daten aus 1303 Regionen eingingen, bewerteten nach folgenden Kriterien: Forschung und Entwicklung, Innovationskraft und Unternehmensaktivitäten. In der Kategorie Innovation ist auch Lörrach vertreten, auf Platz 24.

Karlsruhe profitiert vor allem von seinen Hochschulen mit dem Schwerpunkt Informatik: In der Detailwertung für Forschung und Entwicklung liegt die badische Stadt hinter München auf dem zweiten Platz. Heidelberg ist in dieser Wertung zehnter, Stuttgart liegt auf Rang 25. Die Studie der EU-Kommission belege, dass die Vernetzung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Standortpolitik in Karlsruhe gut funktioniere, meint der Bereichsleiter für Informatik am Karlsruher Institut für Technologie, Wilfried Juling.

In der Innovationskraft ist Karlsruhe nicht unter den Top-30 - ebensowenig wie Stuttgart und Heidelberg. Als Grund sieht der Geschäftsführer des Cyberforums, David Hermanns, die geringere Verfügbarkeit von Risikokapital, also Geld, das auch ohne Aussicht auf baldige Erträge in die Entwicklung neuer Ideen gesteckt wird. Europäische Metropolen seien für solche Geldgeber, die Venture Capitalists, «deutlich attraktiver als Städte der Größenordnung Karlsruhes». Eine positive Überraschung sei aber das Ergebnis, «dass unsere Karlsruher IKT-Firmen die höchsten Forschungsaktivitäten in Europa aufweisen».

In der dritten Hauptkategorie, bei den Unternehmensaktivitäten, ist Karlsruhe wieder in der Spitzengruppe dabei, auf dem fünften Platz. Stuttgart landete in dieser Kategorie auf Rang 20. Es sei durchaus ein Vorteil, dass es in Karlsruhe kein dominantes IT-Unternehmen gebe, das dann die Intelligenz der vielen Informatiker vor Ort auf ein bestimmte Geschäftsfeld konzentrieren würde, sagt der Vorstandschef der CAS Software, Martin Hubschneider. «Stattdessen haben wir eine Vielzahl von kleinen Unternehmen, die sich ununterbrochen am Markt beweisen müssen. Sie müssen schnell sein, um überleben zu können.»

Das Cyberforum in Karlsruhe dient dem Erfahrungsaustausch und der Zusammenarbeit. Mit mehr als 1000 Unternehmern, Wissenschaftlern und an Technik begeisterten Menschen ist es das nach eigenen Angaben größte regionale Netzwerk dieser Art in Europa. «Ganz entscheidend für die Spitzenposition in der EU-Studie ist die Vernetzung im Cyberforum», sagt CAS-Vorstandschef Hubschneider. «Die hier mögliche Zusammenarbeit erstreckt sich zunehmend auch auf benachbarte Regionen in Richtung Walldorf, Darmstadt, Kaiserslautern und Saarbrücken.»

Die IKT-Branche in der Region Karlsruhe gibt rund 30 000 Menschen in mehr als 4200 Unternehmen Brot und Arbeit. Für Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sind auch sogenannte weiche Standortfaktoren in Baden von zentraler Bedeutung für den Spitzenplatz: «Zusammen mit dem ausgesprochen guten Leben in Karlsruhe und der Region bieten wir die richtige Mischung, um kluge Köpfe und damit Innovationen nach Karlsruhe zu holen und zu halten.»