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Karlsruhe sucht den Super-Slogan.
Karlsruhe sucht den Super-Slogan © dpa
08.08.2012

Karlsruhe sucht den Super-Slogan

Karlsruhe (dpa/lsw) - Er bringt Karlsruhe in die Schlagzeilen - aber anders als von der Stadt gewollt: Der gerade vorgestellte Slogan «Karlsruhe - baden in Ideen» droht selbst ins Wasser zu fallen. «Schlecht», «peinlich» oder «zu heiß gebadet» - so vernichtend fallen viele Reaktionen auf das geplante Stadtmotto aus.

Selbst im Gemeinderat sorgt der Werbespruch für Kontroversen: «Eher unpassend, um die Stärken der Stadt zu präsentieren», findet Gabriele Luczak-Schwarz (CDU), und Jürgen Wenzel (Freie Wähler) ist «sowohl mit dem Slogan als auch seinem Zustandekommen» unzufrieden. Bettina Lisbach (Grüne) hält ihn zwar für «sympathischer» als den Vorgänger («Karlsruhe - viel vor. viel dahinter»), braucht aber gar «keinen Slogan, um Karlsruhe zu mögen».

Dabei wollte die Marketingabteilung der Stadt nichts dem Zufall überlassen, schließlich feiert Karlsruhe in drei Jahren den 300. Geburtstag. Eine eigens beauftragte Agentur analysierte acht Monate Stärken und Schwächen der badischen Kommune, entwarf eine Markenstrategie und entwickelte den Claim. Kosten: 50 000 Euro.

Die Stadt jubelte: «Der Slogan "Karlsruhe – baden in ideen." ist sehr vielschichtig und passt damit bestens zu Karlsruhe», meinte die Erste Bürgermeisterin, Margret Mergen (CDU), bei der Präsentation im Juli. «Das Besondere an dem Leitsatz ist, dass nur Karlsruhe ihn so überzeugend vertreten kann. Damit hebt es sich deutlich von anderen Städten ab.»

Auch Arne Klein von der Agentur «Kleinundpläcking» ist stolz auf seinen Spruch: «Er passt perfekt, weil er beide Stärken der Stadt vereint: badisches Genießen und Ideenreichtum.»

Doch die Karlsruher zeigen sich alles andere als angetan von dieser Charakterisierung. Die Online-Zeitung «ka-news.de» machte eine Umfrage, wonach 62 Prozent der Befragten (1320 stimmten ab) den neuen Spruch für «schrecklich» halten und keinen Deut besser als den alten.

Mit Werbesprüchen scheinen die Marketingstrategen der Stadt kein glückliches Händchen zu haben. Denn auch der bisherige Slogan «Karlsruhe - viel vor. viel dahinter» wird gemeinhin zu «viel vor und nix dahinter» umgedeutet.

Eigentlich sollte der Gemeinderat im Juli den Leitsatz schon absegnen. «Vor dem Hintergrund der vielfältigen Reaktionen» habe sich Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) aber entschieden, die Abstimmung von der Tagesordnung zu nehmen, hieß es in einer Mitteilung. Im Herbst soll sich der Aufsichtsrat der Stadtmarketing GmbH erneut mit dem Thema befassen.

Die Politik fordert nun einhellig eine Beteiligung der Bürger. Die diskutieren in den örtlichen Medien schon länger eifrig mit und zeigen sich kreativ: «Mit Rad und Tat zu Recht in Fahrt», reimte ein Leser, «Karl ruht, wir leben», fabulierte ein anderer. Und in Anlehnung an den Hit der Band Deichkind lautet ein Vorschlag schlicht: «Karlsruhe - leider geil.»

Der für seinen Spruch gescholtene Arne Klein kann dem Ganzen immerhin etwas abgewinnen: «Es ist erstklassig, wie viele sich jetzt an der Diskussion um ein neues Stadtmotto beteiligen.» Dies beweise, dass man die Stadt richtig charakterisiert habe: «Voller Ideen.» Dass sein Slogan schon vom Tisch ist, glaubt zumindest er nicht: «Es ist der beste Claim, den die Stadt bekommen kann.»