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Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftig sich eine Forschungsgruppe mit der Frage, ob sich Algenzucht zur Energiegewinnung lohnen kann.
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beschäftig sich eine Forschungsgruppe mit der Frage, ob sich Algenzucht zur Energiegewinnung lohnen kann. © dpa
10.01.2012

Karlsruher Forscher suchen Zukunftspotenzial für Algen

Karlsruhe. Klein, grün, glitschig und nix für die Vase: Algen sind nicht besonders sexy. Wenn es aber um ihre biologischen Eigenschaften geht, gerät Agrarbiologin Christine Rösch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ins Schwärmen. «Sie können Abwasser reinigen, Öle und Eiweiße erzeugen, sie vermehren sich schnell.» Und: Sie können viel Biomasse produzieren, ohne dafür fruchtbares Land zu benötigen. Noch gibt es bei ihrer Nutzung jedoch viele Wenns und Abers.

Bislang werden sie meist für die Produktion hochwertiger Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetik gezüchtet und unter hohem Energieaufwand verarbeitet - nicht aber dafür genutzt, aus ihnen Energie zu gewinnen. «Das rechnet sich einfach noch nicht», sagt der Physiker Bernd Kaltenhäuser. Dabei bieten Algen beste Voraussetzungen, Energie zu liefern und gleichzeitig das klimaschädliche Treibhausgas CO2 zu verringern. Sie arbeiten sozusagen klimaneutral und binden große Mengen CO2.

Dank ihrer großen Oberfläche können sie bis zu fünfmal mehr Sonnenlicht speichern und in chemische Energie umwandeln als etwa Raps und Mais. Und anders als diese Nutzpflanzen gedeihen Algen jenseits von wertvollem Ackerland genügsam: Etwa in offenen Salzwassertanks oder in Schlauchsystemen.

Doch gibt es Wermutstropfen: «Die Technologie, mit der wir Algen Energie abtrotzen könnten, steht noch am Anfang», sagt Rösch. Zwar gibt es bereits Verfahren, mit deren Hilfe Energie aus den Algen gewonnen werden kann. «Diese Verfahren haben allerdings alle eine schlechte Energiebilanz», sagt Rösch. Heißt: Um die Pflanzen zu «knacken» und ihnen das kostbare Öl oder Wasserstoff zu entlocken, muss oft viel mehr Energie aufgewendet werden, als dabei herauskommt.

Dabei gibt es verheißungsvolle Visionen: Studien haben gezeigt, dass Algen bei einem zugrunde gelegten Ölgehalt von 50 Prozent immerhin 22 Prozent des Flugbenzinbedarfs in der Europäischen Union decken könnten. Schätzungen zufolge könnten Algen mehr Öl produzieren, als jede andere Ölsaat wie etwa Raps, Soja oder Mais. «Man kann also schon in Ansätzen zeigen, was möglich ist», sagt KIT-Expertin Rösch.

Auch Kaltenhäuser setzt auf das Potenzial der Pflanze - und hat nach eigenen Worten eine Technik entwickelt, «mit der rein rechnerisch eine positive Energiebilanz zur Gewinnung von Biosprit herauskäme». Allerdings fehlt ihm bislang die Möglichkeit zu Feldversuchen. Mit seinem Start-Up-Unternehmen breen biotec will er Bioreaktoren entwickeln, erst als Pilotanlage und später idealerweise für die Normalproduktion. Wenn alles glatt läuft, sei könnte es in fünf Jahren soweit sein, sagt er.

Neben den technischen Problemen der Energiegewinnung aus Algen gibt es ein weiteres: die Fläche. Algen brauchen zwar weder Äcker noch Wiesen zum Gedeihen. Aber auch nicht nutzbarer Boden ist rar, auf dem die Kläranlagen ähnelnden Bioreaktoren stehen könnten. Und: «Algenzuchtanlagen sehen sehr nach Agroindustrie aus», sagt Rösch. Ihr Anblick sei vergleichbar mit den Gewächshäusern im spanischen Almaria. Wie die Öffentlichkeit auf solche Anlagen reagieren würde, sei fraglich. Rösch sagt: «Die Herausforderung besteht darin, große Algenanlagen so zu entwickeln, dass sie akzeptiert werden.»