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Zahlenmäßig fallen die Pegida-Mitläufer bei der Demonstration in Karlsruhe kaum ins Gewicht. Die Gegendemonstranten bringen rund das Dreifache auf die Straße. In Karlsruhe fürchtet man wieder Ausschreitungen.
Zahlenmäßig fallen die Pegida-Mitläufer bei der Demonstration in Karlsruhe kaum ins Gewicht. Die Gegendemonstranten bringen rund das Dreifache auf die Straße. In Karlsruhe fürchtet man wieder Ausschreitungen. © dpa
10.03.2015

Karlsruher Pegida-Demo nur mit kleineren Zwischenfällen

Karlsruhe. Vor der dritten Versammlung der Pegida-Bewegung in Karlsruhe am Dienstag zeigten sich Polizei und Politiker besorgt, dass es wieder zu Gewalt von Gegendemonstranten kommen könnte. «Wir sind auf alles vorbereitet und hoffen auf einen gewaltfreien Verlauf», sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Am Dienstagabend dann Entwarnung: „Am Ende dieses Demonstrationstages können wir insgesamt eine sehr positive Bilanz ziehen", so der Einsatzleiter, Polizeivizepräsident Roland Lay.

In der vergangenen Woche waren bei Zusammenstößen der Polizei mit linksgerichteten Gegendemonstranten mindestens vier Menschen verletzt und zehn festgenommen worden. Diesmal rechnete die Polizei erneut mit etwa 200 Anhängern der islamkritischen Bewegung. So viel waren es anfangs am Dienstagabend, später dann sollen es, so ein Polizeisprecher, etwa 350 gewesen sein. Neben Karlsruhe gibt es in Baden-Württemberg nur noch in Villingen-Schwenningen Pegida-Aktionen, die allerdings im Vergleich zu den Demonstrationen im Osten der Bundesrepublik nur ein sehr bescheidenes Aufkommen an Demonstranten haben.

Bereits im Vorfeld hatten sich gegen 16Uhr etwa 30 Pegida-Gegner auf dem Stephanplatz niedergelassen, um die für 18.30 Uhr geplante Versammlung der Islamkritiker zu stören oder zu verhindern. Nach Aufforderung verließen die Demonstranten den Platz, sodass die Kundgebung planmäßig starten konnte. Gegen 17.30 Uhr sammelten sich zunächst bis zu 300 Teilnehmer der Demonstration "Bündnis gegen Kargida" auf dem Europaplatz. Nahezu zeitgleich begann der Zulauf der Pegida-Teilnehmer auf den Stephanplatz. Die Versammlung begann gegen 18.35 Uhr.

Unterdessen versuchten rund 30 Linksautonome über die gesperrte Amalienstraße zu der Pegida-Versammlung vorzudringen. In Höhe der Douglasstraße konnten die Personen von der Polizei gestoppt werden. Nach Ansprache durch Antikonfliktteams der Polizei begab sich die Gruppe zurück zur Karlstraße.

Nachdem sich die Personen der Pegida-Kundgebung gegen 19.45 Uhr über die Amalienstraße in Richtung des Kaiserplatzes in Bewegung gesetzt hatten, machten sich mehrere Gruppen von Gegendemonstranten an verschiedenen Stellen entlang des Aufzugs lautstark bemerkbar. Vereinzelt versuchten Demo-Teilnehmer des linken Spektrums Absperrungen zu übersteigen. Die an den Sperren eingesetzten Beamten mussten daraufhin reagieren und unter Einsatz von Pfefferspray ein Durchdringen verhindern. Verletzte gab es offensichtlich nicht.

Für die Dauer des Aufzugs mussten sämtliche Straßen rund um die Aufzugsstrecke kurzzeitig gesperrt werden. Zum Ende der Pegida-Kundgebung gegen 20.30 Uhr gaben auf dem Stephanplatz erneut bis zu 600 Gegner der „Kargida“-Aktion lautstark ihre Meinung kund.

Nachdem die Pegida-Teilnehmer den Stephanplatz in Richtung Hauptbahnhof verlassen hatten, kam es während der Abreise im Bereich des Bahnhofsvorplatzes zu einer weiteren Ansammlung von Teilnehmern des linken Spektrums. Dort ist es zu Flaschenwürfen, einer Beleidigung und einem Verstoß gegen das Vermummungsverbot gekommen, weshalb die Polizei vier Personen vorläufig festnahm. Zudem kam es nach Auflösung der Spontankundgebung im Bahnhofsgebäude zur Festnahme eines wiedererkannten Tatverdächtigen, der im Zuge der Demonstration am 23. Februar in Pforzheim einen Polizeibeamten verletzt hatte.

Bereits bei der Anreise von Demonstrationsteilnehmern kam es auf Zugstrecke zwischen Stuttgart und Karlsruhe in Höhe von Pforzheim zu einer Auseinandersetzung von Anhängern der beiden Lager. Beamte der Bundespolizei konnten die Situation allerdings beruhigen.

„Dank einer erneut konsequenten Separierung der Pegida-Kundgebung und deren Aufzug von den bis zu 600 Teilnehmern der Gegenveranstaltungen ging das Konzept der Polizei auf. Eine direkte Konfrontation beider Lager konnte vermieden werden“, so Einsatzleiter Roland Lay.