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Das Einschussloch durch ein Projektil Kaliber 22 in einer Autotür, aufgenommen am 25.06.2013 auf einer Pressekonferenz im Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden (Hessen). Am 11.08.2014 beginnt in Würzburg der Prozess um eine Serie von Schüssen auf Autobahnen.
Prozess um Schuss-Serie auf Autobahnen beginnt © dpa
Prozess um Schuss-Serie auf Autobahnen beginnt.
Prozess um Schuss-Serie auf Autobahnen beginnt © dpa
11.08.2014

Karte zum Prozess-Auftakt: Hier schlug der Autobahnschütze zu

Würzburg (dpa) - Ein Fernfahrer aus der Eifel hat gestanden, aus Frust serienweise vom Steuer aus auf andere Autos geschossen zu haben. Den Vorwurf des versuchten Mordes wies er am Montag aber zurück. Die mysteriöse Serie von Schüssen hatte die Ermittler jahrelang in Atem gehalten. Der Angeklagte soll hundertfach vom Steuer auf andere Fahrzeuge gefeuert haben. Drei Menschen wurden dabei verletzt, im gravierendsten Fall trafen Projektilsplitter eine Geschäftsfrau in den Hals.

Eine der Routen, auf denen der Angeklagte am meisten geschossen haben soll, war die A 8. Bereits im Jahr 2011 registrierte die damalige Polizeidirektion Pforzheim über drei Dutzend Anzeigen von Lastwagenfahrern beziehungsweise einer Spedition im östlichen Enzkreis. Dort hatte man Einschusslöcher in Autos, die mit Transportern zum Zwischenlager gefahren wurden, registriert. Damals waren es noch Projektile des Kalibers .22, also Kleinkaliber, ehe der Täter auf eine großkalibrige Waffe umstellte. Wo die Schüsse genau abgefeuert wurden, ließ sich nie feststellen, sondern nur der Abfahrts- und der Ankunftsort der betroffenen Lastwagen.

Niemals habe er «auch nur in die Nähe, geschweige denn in oder auf Führerhäuser» anderer Lastwagen gezielt oder geschossen, betonte der 58-Jährige am Montag in einer Erklärung, die sein Verteidiger Franz-Josef Krichel vor dem Landgericht Würzburg verlas. «Mir ist bewusst, dass mein Handeln für Außenstehende in keiner Weise nachvollziehbar ist.»

Die Taten im Zeitverlauf:

Auf diesen Autobahnen schlug der Autobahnschütze zu:

Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen hatte zuvor in seiner Anklage argumentiert, der Mann habe den möglichen Tod anderer Menschen billigend in Kauf genommen. Er warf ihm in fünf Fällen versuchten Mord vor.

Wie viele Schüsse er abgegeben habe und wo, könne er nicht mehr erinnern, erklärte der Mann. Als Grund für seine Taten nannte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Burkhard Pöpperl Verärgerung über das Verhalten von Fahrern vor allem ausländischer Autotransporter. Zudem sei er mehrfach überfallen worden. Er sprach von «Krieg auf der Autobahn» und bestätigte, es sei um Genugtuung und Selbstjustiz gegangen. Er bat die Opfer um Entschuldigung.

Der Mann habe den Fahrern «Denkzettel» für ihr Fahrverhalten verpassen wollen, indem er auf Ladung oder Lkw schoss, erläuterte Raufeisen. Dabei habe der Angeklagte zwei Waffen mit selbstgebauten Schalldämpfern benutzt: erst ein Kleinkaliber, später auch eine Waffe des gefährlicheren Kalibers 9 Millimeter.

Zwar habe der Mann damit nur Sachschäden anrichten wollen. Nach Überzeugung Raufeisens waren die Folgen der Schüsse aber nicht zu kontrollieren: Der Mann habe freihändig und ohne genaueres Anvisieren durch die geöffnete Scheibe geschossen, Windböen oder Fahrbahnunebenheiten hätten die Schüsse ablenken können.

«Für den Angeklagten bestand daher kein Zweifel, dass von ihm gesetzte Fehlschüsse zu schwersten Unfällen mit erheblichen Folgen bis hin zum Tod anderer Verkehrsteilnehmer würden führen können», so Raufeisen. Mehrfach hätten die Schüsse Autos, Kleintransporter oder Gebäude getroffen.

Der Mann soll deutlich mehr als 700 Mal zur Waffe gegriffen haben, angeklagt sind 171 Fälle. Die Staatsanwaltschaft hatte dies bei der Anklageerhebung damit begründet, dass das Verfahren so auf ein handhabbares Maß begrenzt werde. Dem Mann werden dabei auch gefährliche Körperverletzung, unerlaubter Waffenbesitz, Sachbeschädigung und Eingriff in den Straßenverkehr zur Last gelegt.

Die Behörden hatten jahrelang intensiv nach dem Schützen gefahndet. «Wir müssen diese Tatserie stoppen, bevor Schlimmeres passiert!», hatte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, Ende 2012 gewarnt. Erst eine umfangreiche Kennzeichenerfassung an betroffenen Autobahnabschnitten führte schließlich im vergangenen Jahr auf die Fährte des Kraftfahrers.