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Landtagsabgeordnete können manchmal aus Mücken Elefanten machen und sich dabei ganz schön ind die Haare kriegen. Foto: dpa
Landtagsabgeordnete können manchmal aus Mücken Elefanten machen und sich dabei ganz schön ind die Haare kriegen. Foto: dpa
14.08.2018

Keilen und singen: Landtagsabgeordnet zoffen sich wegen Özil

Mitsingen oder nicht – über solche scheinbare Nebensächlichkeiten kann man in der Politik ausgiebig streiten. Selbst in Baden-Württemberg, wo ja eigentlich gar kein Wahlkampf ist. Auch über einen Monat nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft kabbeln sich FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke und CDU-Generalsekretär Manuel Hagel noch übers Mitsingen der Nationalhymne. Auslöser war Rülkes Aussage im PZ-Interview, dass Mesut Özils Nichtsingen wohl damit zu tun habe, dass offenbar kein deutsches Herz in seiner Brust schlage – aber schon ein türkisches, wie das Foto mit Erdogan zeige. Hagel unterstellte Rülke daraufhin Nähe zur AfD.

„AfD-Chef Alexander Gauland hat in Jerome Boateng den bösen Nachbarn gesehen, Rülke wollte Mesut Özil aus der Nationalelf rauswerfen wegen Singverweigerung – die Parallelen sind doch auch hier erstaunlich“, sagte der Ehinger Landtagsabgeordnete der „Schwäbischen Zeitung“. Nähe zur AfD? Das mag Rülke nicht auf sich sitzenlassen. Schließlich hatten auch schon CDU-Granden wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) – beide kurz vor der Landtagswahl – fürs Singen der Nationalhymne plädiert.

Das süffisante Fazit des Pforzheimers zu Hagel: „Wer so engagiert in der Disziplin des Eigentors glänzt, der muss sich keine Sorgen machen. Das Mitsingen der Nationalhymne droht ihm weder auf dem Fußballplatz noch in der Politik. Kein Trainer der Welt stellt einen solchen Spieler auf!“ Wie das so ist, wenn sich zwei streiten – da freut sich schon der Dritte: „In der Tat verbinden uns nicht nur wirtschaftsliberale Politikfelder“, flötete der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Emil Sänze in Richtung FDP. „Wer nicht stolz ist, Deutscher zu sein, braucht nicht für uns anzutreten.“

Fragt sich nur, wer hier das Eigentor geschossen hat. Und ob das Land keine andern Sorgen hat. Wenn ja, ist das die allerbeste Botschaft der Sing-Debatte.