nach oben
Die Polizei sucht nach dem Motiv für die tödliche Geisterfahrt eines 20-Jährigen auf der A5. Alkohol oder Drogen werden dabei ebenso in Betracht gezogen wie eine Mutprobe. Ein Abschlussbericht aber soll wohl erst 2013 ferig sein. © dpa
Ein Polizist steht auf der A5 bei Offenburg vor einem zerstörten Fahrzeug. Ein Geisterfahrer hat sich und fünf weitere Menschen bei einem Unfall ums Leben gebracht. Der Grund für die Geisterfahrt ist noch unklar. © dpa
19.11.2012

Kein Abschiedsbrief - sechs Tote wegen Mutprobe?

Nach dem Unfall eines Geisterfahrers mit sechs Toten konzentriert sich die Polizei auf das Umfeld des Unfallverursachers. Nun gehe es darum zu klären, warum der 20-Jährige auf der Autobahn in der falschen Richtung unterwegs war. Er habe den Abend und die Morgenstunden in verschiedenen Lokalen verbracht. Dass er bei seiner Geisterfahrt am Sonntagmorgen auf der A5 nahe Offenburg unter Alkohol oder Drogen stand, könne nicht ausgeschlossen werden. Auch eine Mutprobe sei möglich.

Bildergalerie: Sechs Tote: Crash mit Geisterfahrer auf A5

Um dies herauszufinden, werde das Leben des Mannes durchleuchtet. Daraus könnten Rückschlüsse auf ein mögliches Motiv, etwa bei einem Suizid, gezogen werden. Zudem werde nach Drogen- und Alkoholkonsum gefragt. In der Nähe der Auffahrt, die der Geisterfahrerwohl genommen hat, sollen zwei Diskotheken sein.

„Es ist ein Puzzle, das wir zusammensetzen müssen“, sagte der Polizeisprecher. Es seien schwierige, umfassende und langwierige Ermittlungen. Am Montag gründete die Polizei eine zehn Beamten zählende Ermittlungsgruppe. Sie wird sich auf den Fall konzentrieren.

„Es gibt eine Vorgeschichte. Und dieser müssen wir jetzt nachgehen“, sagte der Chef der Offenburger Polizei, Reinhard Renter, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Einen Abschiedsbrief habe der Falschfahrer nicht hinterlassen. „So einfach hat er es uns nicht gemacht.“ Er rechne damit, dass erst im kommenden Jahr ein Abschlussbericht vorgelegt werden könne. „In diesem Jahr wird das nichts mehr.“

Der 20-Jährige aus dem badischen Ortenaukreis war am frühen Sonntagmorgen auf der A5 bei Offenburg in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Er verursachte einen schweren Unfall, bei dem er und fünf weitere Menschen getötet wurden. Bei Folgeunfällen wurden Menschen verletzt, darunter eine 37-Jährige, die Erste Hilfe leisten wollte und von einem Auto überfahren wurde.

Den Rettungskräften erschien die Unfallstelle wie ein Schlachtfeld. Überall lagen Trümmer und Leichenteile. Die A5 mussten stundenlang komplett gesperrt werden.

Bundesweit gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Geisterfahrer-Kollisionen mit mehreren Toten. So starben allein im Oktober mindestens 13 Menschen durch Falschfahrer. Fünf Tote gab es vor vier Wochen, als ein 24-jähriger Selbstmörder auf der A46 im Sauerland in ein Auto mit vier Insassen raste. dpa

Leserkommentare (0)