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Ein verweigerter Handschlag von SPD-Urgestein Drexler für eine AfD-Politikerin sorgt für Wirbel. Eine darauf folgende, anonyme Morddrohung gegen ihn beschäftigt die Polizei.
Ein verweigerter Handschlag von SPD-Urgestein Drexler für eine AfD-Politikerin sorgt für Wirbel. Eine darauf folgende, anonyme Morddrohung gegen ihn beschäftigt die Polizei. © dpa
12.05.2016

Kein Handschlag für AfD-Politikerin: SPD-Drexler erhält Morddrohung

Eine anonyme Morddrohung gegen den früheren Landtagsvizepräsidenten Wolfgang Drexler (SPD) wegen eines verweigerten Handschlags für eine AfD-Politikerin hat die Polizei auf den Plan gerufen. Der Staatsschutz nahm Ermittlungen auf und versucht, den Absender der entsprechenden E-Mail ausfindig zu machen, wie ein Polizeisprecher sagte. Es müsse geklärt werden, über welche IP-Adresse das Schreiben versandt worden sei. Internetspezialisten seien eingeschaltet worden.

 

 

Drexler hatte sich am Mittwoch geweigert, der AfD-Abgeordneten Christina Baum im Landtag die Hand zu geben. Der SWR stellte das Video bei Facebook ein, daraufhin bekam der SPD-Mann die Drohung. In seinem Wahlkreisbüro ging ihm zufolge ein Schreiben mit den Worten ein: „Wer gegen die AfD ist, muss ermordet werden.“ Drexler bekräftigte am Donnerstag, dass er keine Angst habe. Er werde weiterhin Haltung zeigen.

AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen distanzierte sich davon, kritisierte Drexlers Verhalten aber als „ungeheuerliche Stillosigkeit“. Es entspreche nicht den demokratischen Gepflogenheiten, jemandem dem Handschlag zu verweigern. AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen betonte, er wisse nicht, wer hinter der Morddrohung stecke. „In meiner Partei macht niemand so etwas.“ Er führe das Verhalten der Sozialdemokraten auf das schlechte Ergebnis der Landtagswahl für die SPD zurück, die von der AfD überholt worden war. „Die scheinen so verwundet zu sein, dass die das anders nicht auf die Reihe kriegen“, sagte Meuthen, der die AfD mit Frauke Petry auch im Bund führt. Er betonte: „Das rechtfertigt aber keinen Mordaufruf.“

Drexlers Verhalten gegenüber Baum sorgte für Gesprächsstoff. Für den Abgeordneten Bernhard Lasotta (CDU) ist es eine „Frage des Anstands“, den gewählten Abgeordneten den Handschlag nicht zu verweigern. Ähnlich äußerten sich der künftige Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) und der CDU-Abgeordnete Willi Stächele. Die Grünen-Abgeordnete Andrea Lindlohr meinte: „Ich mache daraus kein politisches Zeichen.“ Sie werde aber nie für einen AfD-Antrag stimmen. Ihr Fraktionskollege Uli Sckerl sagte: „Ich bin kein Dogmatiker.“ Wenn er jemanden aus der Partei treffe, werde er ihm oder ihr auch die Hand geben.

Drexler wollte Baum wegen diverser rechtspopulistischer Äußerungen nicht per Handschlag begrüßen. Die AfD-Politikerin sorgte in der Vergangenheit bundesweit für Schlagzeilen. In der SWR-Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ sagte sie: „Ich stehe weiterhin zu dem Begriff des schleichenden Genozids an der deutschen Bevölkerung durch die falsche Flüchtlingspolitik der Grünen. Der Genozid bezeichnet nach einer UN Resolution die Absicht eine nationale, ethnische, religiöse Gruppe teilweise oder ganz zu zerstören. Und diese Absicht unterstelle ich den Grünen.“ Baum will außerdem ein „Deutschland von vor 25 Jahren zurück“ und sie habe eine „Heidenangst, dass wir Deutsche von fremden Völkern unterdrückt werden könnten“. Dass eine muslimische Landtagspräsidentin gewählt worden ist, sei „auch ein Angriff auf uns als AfD“, sagte Baum dem SWR. Diese Wahl sei ein klares Zeichen, dass die „Islamisierung Deutschlands in vollem Gang“ sei.