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24.03.2011

Keine fristlose Kündigung nach falscher Altersschätzung

MANNHEIM. Sie hat die Freundin ihres Chefs älter gemacht als sie ist und dafür die fristlose Kündigung erhalten. Jetzt konnte sich die 19 Jahre alte Auszubildende mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einem Anwalt, auf einen Vergleich einigen. Am Donnerstag nahm er vor dem Arbeitsgericht Mannheim die fristlose Kündigung zurück. Stattdessen wird die Auszubildende rückwirkend Ende November gekündigt. Zudem zahlt der Anwalt eine noch ausstehende Ausbildungsvergütung von 333 Euro.

Die jugendliche Mitarbeiterin hatte die Partnerin ihres Chefs auf 40 Jahre geschätzt, obwohl sie mit 31 Jahren deutlich jünger war. Der Anwalt fühlte seine Freundin und sich dadurch beleidigt und entließ die Auszubildende im September fristlos.

Die 19-Jährige brach nach der Einigung vor Erleichterung in Tränen aus. «Ich bin froh, dass es vorbei ist», sagte sie. Sie setzt ihre Ausbildung zur Rechtsanwalts-Fachangestellten seit Dezember in einer anderen Kanzlei fort.

«Sie hat mich regelrecht ausgelacht. Dadurch fühlte ich mich beleidigt», sagte der Anwalt. Er habe ihr dreimal leicht auf die Schulter geschlagen, sich später aber dafür entschuldigt. Die 19-Jährige habe sich in den folgenden Tagen dann grundlos krankgemeldet. Das sei ein weiterer Kündigungsgrund gewesen. Zudem warf der Anwalt aus Edingen-Neckarhausen (Rhein-Neckar-Kreis) seiner ehemaligen Auszubildenden vor, nicht immer korrekt gearbeitet zu haben.

Die Vorsitzende Richterin zeigte wenig Verständnis die Gefühle des Anwalts. «Ich verstehe nicht, warum Sie sich durch die falsche Altersschätzung beleidigt gefühlt haben», sagte Sigrid Bouwhuis. Für eine fristlose Kündigung reiche zudem nicht aus, dass die 19-Jährige ihre Arbeit manchmal nicht richtig erledigt habe. Der Anwalt hätte sie auf jeden Fall abmahnen müssen. dpa

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