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Spurensicherer der Polizei begutachten am 15.12.2015 in Stuttgart-Feuerbach eine Brandstelle in einem Türkisch Islamischen Zentrum.
Spurensicherer der Polizei begutachten am 15.12.2015 in Stuttgart-Feuerbach eine Brandstelle in einem Türkisch Islamischen Zentrum. © Andreas Rosar/dpa
16.12.2015

Keine heiße Spur nach Brandanschlag auf türkischen Laden

Stuttgart (dpa/lsw). Nach dem Brandanschlag auf ein Gebäude eines türkisch-islamischen Vereins in Stuttgart gibt es noch keine heiße Spur zu den Tätern. Die Polizei prüfe derzeit einen möglichen Zusammenhang zu kurdischen Gruppen, sagte ein Sprecher.

«Das liegt aufgrund der Vorkommnisse in der Türkei nahe. Aber wir prüfen die ganze Palette - also auch rechts und links.» Vermummte hatten das Gebäude in der Nacht zum Dienstag in Brand gesteckt. Eine Überwachungskamera zeichnete vier Angreifer auf, die mit Steinen Fensterscheiben zerstörten und Molotowcocktails in die Räume warfen.

Am Abend vor dem Anschlag hatte es nach Angaben der Polizei eine spontane Kurden-Demonstration in Stuttgart gegeben. 20 bis 25 Personen seien friedlich zum Konsulat gelaufen, sagte der Sprecher. Am Dienstag hätten zudem rund 250 Menschen an einer weiteren, angemeldeten Demo teilgenommen. Bislang gebe es aber keine konkreten Hinweise auf einen Zusammenhang zu dem Anschlag, sagte der Sprecher. «Es ist nicht auszuschließen, aber noch Spekulation.»

Die Beamten werteten derzeit Aufnahmen der Überwachungskamera aus, sagte der Sprecher. Neue Erkenntnisse gebe es dazu aber noch nicht. Die Bilder zeigen vier Vermummte, die Molotowcocktails durch die eingeschlagenen Fenster werfen, danach explodiert ein Gegenstand vor der Tür. Verletzt wurde bei dem Anschlag auf den Buchladen am frühen Dienstagmorgen niemand. Das Geschäft gehört zu einem Gebäudekomplex der Türkisch-Islamischen Union Ditib, die nach eigenen Angaben die größte Migrantenorganisation in Deutschland ist. Zudem will die Polizei die Brandsätze analysieren und Menschen im Umfeld der Gemeinde befragen.

Das Innenministerium hatte nach dem Anschlag die Dienststellen im Land aufgefordert, besonders auf türkische Einrichtungen zu achten. Politiker verurteilten den Angriff scharf.