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20.06.2011

Kim Kulig-bodenständige Überfliegerin im Frauenfußball

AMMERBUCH. Kim Kulig hat im Frauenfußball eine steile Karriere hingelegt. Ein Ende des Höhenflugs ist nicht abzusehen. Bei der Heim-WM könnte sie zum neuen Gesicht der Nationalmannschaft werden.

Bildergalerie: Nationalspielerin Kulig bleibt trotz Erfolg auf dem Boden

In den letzten Spielen vor der Heim-WM für die deutschen Fußball-Frauen hat Kim Kulig es noch einmal allen gezeigt. Vor allem der Bundestrainerin Silvia Neid, und das war das Wichtigste. Die 21-Jährige hat noch einmal ein Ausrufezeichen hinter ihren Namen gesetzt, aus der Stammformation ist sie nicht mehr wegzudenken.

Kulig hat ihn geschafft, den Sprung vom kleinen schwäbischen Dorfverein ins Rampenlicht des Weltfußballs. Von ihrem Heimatverein, dem SV Poltringen (Kreis Tübingen), wechselte die 1,76m-große Mittelfeldspielerin zum SV Unterjesingen in Tübingen und zum Zweitligisten VfL Sindelfingen. Ihr Talent blieb nicht lange verborgen: 2008 wagte Kulig den nächsten Karriereschritt und ging zum Hamburger SV, in der kommenden Saison wird sie das Trikot des Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt tragen. «Für mich geht damit ein Kindheitstraum in Erfüllung, ich kann endlich an der Champions League teilnehmen», sagt Kulig.

Bevor sie mit ihrem neuen Verein jubelt, will sie aber noch etwas ganz anderes feiern: Den Titel bei der Heim-WM (26. Juni bis 17. Juli). Nach dem Sieg bei der Europameisterschaft 2009 und dem Gewinn der U-20-WM 2010 soll der ganz große Pott her und ihre Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden.

Die Entwicklung, die Kulig in den vergangenen Jahren gemacht hat, ist enorm. Von allen Seiten kommt Lob. Tina Theune, die Vorgängerin von Silvia Neid, beschrieb Kuligs Stil als «fast brasilianisch, dynamisch, eine Mischung aus der jungen Renate Lingor und Birgit Prinz. So gerne Kim Kulig diese Komplimente hört - sie bleibt bescheiden. Eine Eigenschaft, die sie auszeichnet und ihren Blick auf das Wesentliche bei all dem Wirbel um ihre Person nicht trübt.

Mit dem Aufstieg im Frauenfußball erhöhte sich für die eher schüchterne Kulig auch die Dosis der Medienanfragen und Termine. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt da nicht. Eines aber versucht Kim Kulig immer in ihrem Kalender unterzubringen: Den Besuch daheim in Poltringen. «Ich habe meiner Familie viel zu verdanken, sie hat mich sehr geprägt und ich komme so oft wie möglich heim», sagt Kulig. Dann freuen sich nicht nur ihre Eltern und die fünf Geschwister, sondern auch die knapp 2000 Bewohner. Jeder im beschaulichen Ort, der umgeben von Feldern zwischen Herrenberg und Tübingen liegt, kennt Familie Kulig und die bekannte Tochter.

Einer kennt sie ganz besonders: Lothar Wütz-Botsch war Kuligs erster Trainer und ein entscheidender Treiber der steilen Karriere des sympathischen Blondschopfs. Wütz-Bosch überzeugte Anke und Alfons Kulig vom Talent ihrer Tochter, die damals noch der Leichtathletik und dem BMX-Fahren verschrieben war. «Dass Kim die Veranlagung hat, um eine gute Fußballerin zu werden, habe ich von Anfang an gemerkt», sagt er.

Aus dem Jungen, für den Wütz-Botsch Kulig im ersten Training noch hielt, ist eine Frau geworden - ganz ohne Star-Allüren. «Es ist fantastisch zu sehen, dass sie trotz ihres Erfolges vollkommen normal und bescheiden geblieben ist», sagt Wütz-Botsch. «Dass sie sozial hoch kompetent ist, zeigt sich auch in ihrer mannschaftsdienlichen Spielweise.»

Nach dem Gewinn der Europameisterschaft bereitete Poltringen Kim Kulig einen großen Empfang. Mit einer Kutsche wurde der Fußballstar abgeholt und an der Seite von ihren Eltern zum Sportplatz gebracht. Der ganze Ort war gekommen, um Kim Kulig Glückwünsche zu überbringen, sich ein Autogramm zu ergattern und die Hand der heute 21-Jährigen zu schütteln. «Wir platzen fast vor Stolz», sagt Anke Kulig. Und Vater Alfons ergänzt: «Natürlich tun wir das, aber wir sind auch stolz auf unsere anderen Kinder.» dpa