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© Symbolbild: dpa
02.05.2013

Kind stirbt an Methadon-Vergiftung - Oma der Freundin vor Gericht

Sie soll mit Methadon den Tod einer Freundin ihrer Enkelin verursacht haben: Eine 62 Jahre alte Frau muss sich seit Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung vor dem Konstanzer Amtsgericht verantworten. Laut Anklage hatte die Zehnjährige gemeinsam mit ihrer Freundin im August 2011 bei deren Oma übernachtet. Am Morgen darauf war das Mädchen nicht mehr aufgewacht und später im Krankenhaus gestorben.

Ob die 62-Jährige dem Kind das Mittel gegeben oder das Mädchen sich selbst davon genommen habe, sei noch unklar, sagte die Staatsanwältin am Donnerstag. Das Medikament sei jedoch in lebensgefährlichen Mengen in der Wohnung der Angeklagten vorhanden gewesen. Die Frau bestritt vor Gericht, dass sie der Zehnjährigen Methadon verabreicht habe. «Ich gebe einem Kind keine Medikamente», sagte sie. «Warum sollte ich das tun?» Das Mädchen habe am Abend stark gehustet, sie hätte am nächsten Tag aber mit ihr zum Arzt gehen wollen.

In den 70er Jahren sei sie durch ihren damaligen Ehemann mit Drogen in Kontakt gekommen und habe unter anderem Kokain und Heroin zu sich genommen. Nach einer Therapie in den 80er Jahren sei sie zwar nicht mehr rückfällig geworden, sagte sie. Ein Arzt habe ihr aber später unter anderem wegen Hüftproblemen Methadon als Schmerzmittel verschrieben. Sie habe jedoch von sich aus weniger als die verordnete Dosis genommen und den Rest in ihrer Wohnung aufbewahrt. «Das hat sich einfach so ergeben», sagte sie. «Ich wusste nicht, wohin damit.»

Rund 240 kleine Fläschchen mit dem Medikament seien bei ihr gefunden worden, sagte der Richter. Die Frau habe sie leicht zugänglich im Kühlschrank, in einer Küchenschublade und im Wohnzimmer aufbewahrt. Sie habe einfach nicht bedacht, dass das für die Kinder gefährlich sein könnte, sagte die Frau. Die Flaschen wegzuräumen, sei ihr nicht eingefallen.