nach oben
03.03.2015

Kirchen wollen traumatisierte Flüchtlingsfrauen aufnehmen

Kirchliche Einrichtungen wollen sich bei der Unterbringung und Betreuung sexuell missbrauchter Frauen aus Syrien und dem Nordirak engagieren. Zwei Klöster in Freiburg und Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) sowie drei syrisch-christliche Gemeinden in Göppingen, Ludwigsburg und Stuttgart wollen den traumatisierten Flüchtlingen Schutz bieten.

«Wenn die Frauen kommen, sind die Gemeinden bereit, sie aufzunehmen», sagte der Referatsleiter für die Entwicklungszusammenarbeit der evangelischen Landeskirche in Württemberg, Klaus Rieth, der Deutschen Presse-Agentur.

Baden-Württemberg legt als bislang einziges Bundesland ein Sonderprogramm auf, um Hunderten Opfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu helfen. Im März sollen rund 20 Frauen aufgenommen werden. Insgesamt ist von bis zu 600 Mädchen und Frauen die Rede.

Wie viele Frauen in den Gemeinden unterkommen könnten, konnte Rieth nicht sagen. Hilfreich sei allerdings sicherlich, dass dort Kurdisch, Arabisch und Aramäisch gesprochen werde. Um die psychologische Betreuung sollen sich zwei Psychosoziale Zentren der Kirche kümmern, die auf Traumaarbeit mit Flüchtlingen spezialisiert sind.

In Freiburg sollen von April an rund 30 Jesidinnen und ihre Kinder in einem Benediktinerinnen-Kloster und einem ehemaligen katholischen Krankenhaus unterkommen, wie die Diözese Freiburg mitteilte. Die Stadt hat nach eigenen Angaben dem Staatsministerium angeboten, dabei auch Frauen aus dem Sonderprogramm der Landesregierung aufzunehmen.

Schwäbisch Gmünd hat sich bereiterklärt, bis zu 20 Frauen und Mädchen aufzunehmen. Diese sollen unter anderem in einem Franziskanerinnen-Kloster unterkommen, wie die Stadt mitteilte.

Die Stadt Stuttgart und der Landkreis Esslingen wollen ebenfalls Frauen aufnehmen. Stuttgart gibt dazu allerdings keine weiteren Informationen. Der Landkreis Esslingen will im März entscheiden, wo die Frauen leben sollen. Im vergangenen Jahr hatte auch die Stadt Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) Bereitschaft signalisiert, Betroffenen Obdach und Hilfe anzubieten.

Das Staatsministerium will sich mit Verweis auf eine Gefährdung der Frauen nicht zu den Unterkünften äußern. Sie befürchtet Übergriffe von Sympathisanten des IS. «Es gibt eine Vielzahl von Städten und Landkreisen, die angeboten haben, Frauen aufzunehmen», sagte ein Regierungssprecher. «Wir bestätigen im Moment keine Örtlichkeiten.»

Der größte Teil der Frauen, die nach Baden-Württemberg kommen sollen, sind voraussichtlich Jesidinnen. Die Jesiden sind im Nordirak eine religiöse Minderheit, die von der Terrormiliz IS verfolgt wird.