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05.12.2015

Kirchenasyl nur in Büchenbronn - Interesse für Glaube steigt

Stuttgart (dpa/lsw) - Bei den christlichen Kirchen im Südwesten gibt es derzeit kaum Fälle von Kirchenasyl. Das sei «ganz selten» und zudem abgesprochen mit staatlichen Stellen, sagte ein Sprecher der evangelischen Landeskirche in Baden. Ein aktueller Fall ist ein 22-jähriger Jeside aus dem Irak, der abgeschoben werden sollte. Er hat in der evangelischen Kirchengemeinde des Pforzheimer Stadtteils Büchenbronn Kirchenasyl. Bei der evangelischen Landeskirche Württemberg, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Erzdiözese Freiburg gibt es dagegen nach eigenen Angaben keine Fälle.

 Bei den Flüchtlingen sei aber ein deutliches religiöses Interesse spürbar, sagte der Sprecher der badischen Landeskirche. «Es gibt ein großes Bedürfnis an religiösen Angeboten.» Sichtbar gewesen sei dies etwa bei einem ökumenischen Gottesdienst für Flüchtlinge auf Arabisch in der Karlsruher Luther-Kirche: «Das war überfüllt.» Anschließend gab es dort auch Essen. In normale Gottesdienste kämen Flüchtlinge in Baden dagegen nur vereinzelt. Es gibt auch nur ganz wenige Muslime, die sich taufen lassen. Die badische Landeskirche will nach eigenem Bekunden zwar «einladend» sein, aber nicht offensiv. «Wir wollen nicht schnell missionieren», sagte Meier. «Das wäre unfair.»

 Die Landeskirche in Württemberg sieht ebenfalls ein Interesse der Flüchtlinge am Christentum: «Je mehr Flüchtlinge zu uns kommen, desto mehr von ihnen besuchen auch unsere Gottesdienste», sagte ein Sprecher. Die Kirche stelle sich auch zunehmend auf die Flüchtlinge ein. So werde etwa bald ein Heft auf Deutsch und Arabisch erscheinen, das grundlegende Dinge des Christentums erläutere, etwa: «Warum gibt es Kirchentürme, was ist ein Altar und was bedeutet das Kreuz für uns Christen?»

 Einen großen Zulauf von Flüchtlingen verzeichnet die Landeskirche allerdings nicht. Dass Flüchtlinge verstärkt in die christlichen Kirchen eintreten wollten oder sich zumindest zum Christentum hinwendeten, könne er nicht bestätigen, sagte der Sprecher. Es gebe lediglich eine Handvoll Anfragen von Flüchtlingen mit dem Wunsch zu konvertieren.

 Ähnlich sieht es in der Erzdiözese Freiburg aus: Vereinzelt gebe es Flüchtlinge, die sich in den Kirchen spontan taufen lassen wollten. Allerdings sei das nicht möglich, sagt ein Sprecher. Die Erwachsenentaufe unterliege strengen Regeln, nehme Zeit in Anspruch und müsse vom Erzbischof abgesegnet werden.

 In der Diözese Rottenurg-Stuttgart werden nach Angaben einer Sprecherin vor allem in Orten mit größeren Unterkünften die Gottesdienste internationaler. «Dort, wo beispielsweise auch ein Pfarrer vor Ort ist, der eine andere Muttersprache spricht oder der Englisch kann, gibt es ab und an mal eine Predigt auf Englisch oder eine Begrüßung in mehreren Sprachen», sagte sie.

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