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Kommunalfrau gegen Landtagsmann bei CDU-Wahl in Nordbaden. Foto: dpa
Kommunalfrau gegen Landtagsmann bei CDU-Wahl in Nordbaden © dpa
05.07.2013

Kommunalfrau gegen Landtagsmann bei CDU-Wahl in Nordbaden

Sinsheim (dpa/lsw) - In Sinsheim nahe Heilbronn wird morgen (Samstag) die neue Führung der CDU Nordbaden gewählt. Die Vorstandswahl in dem mit 18 500 Mitgliedern zweitgrößten CDU-Bezirksverband im Südwesten verspricht interessanter zu werden als zunächst erwartet: Die Gaggenauer Bürgermeisterin und Minister-Witwe Brigitte Schäuble hatte Mitte Juni völlig überraschend ihre Kandidatur bekannt gegegeben. Landtags-Fraktionschef Peter Hauk, der schon länger sein Interesse bekundet hatte, muss nun kämpfen.

Warum ist die Wahl über die Grenzen Nordbadens hinaus spannend?

Würde Brigitte Schäuble gewählt, wäre sie die erste Frau an der Spitze eines Bezirksverbandes in der Geschichte der Südwest-CDU. Für Peter Hauk wiederum steht viel auf dem Spiel: Im Frühjahr will er als Fraktionschef bestätigt werden - auch sagen ihm manche Ambitionen auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2016 nach.

Warum bedeutet die Wahl für Hauk so viel?

Gewinnt er, hat Hauk nach Ansicht des Parteienforschers Ulrich Eith seine Machtbasis gestärkt. «Verliert er, ist er geschwächt.»

Geht es nur um Frau gegen Mann?

Im Prinzip ja. Beide Kandidaten setzen aber auch unterschiedliche Schwerpunkte und verkörpern andere Naturen. So will die 60-jährige Schäuble, die aus Kommunalwahlen wiederholt als Stimmenkönigin hervorging, neben viel weiblichem Charme ihre kommunalpolitischen Erfahrungen einbringen. Der 52-jährige Politprofi und Umweltexperte Hauk will hingegen mit landespolitischem Know-how punkten und die CDU Nordbaden schlagkräftiger machen.

Was ist dran an der Lager-Theorie?

Beide Kandidaten wollen sich keinem Lager zurechnen lassen. Hinter den Kulissen sprießen gleichwohl die Lager-Theorien: So gilt Hauk als Zögling des früheren Ministerpräsidenten Günther Oettinger und damit dem liberalen Flügel als zugehörig - was er nicht bestreitet. Über Schäuble wird gestreut, sie sei eine Marionette von Hauks konservativem Kontrahenten, dem abgewählten Ex-Regierungschef Stefan Mappus - was sie als «Quatsch» zurückweist.

Wer hat die größeren Chancen?

Das Rennen scheint völlig offen. Der diplomierte Forstwirt Hauk, der schon seit 1993 Vizechef des CDU-Bezirksverbandes ist und seit mehr als drei Jahren an der Spitze der Landtagsfraktion steht, gilt als gut vernetzt. Er hat die Junge Union hinter sich. Nicht wenige vermissen bei ihm aber das nötige Charisma als Oppositionsführer. Die diplomierte Bauingenieurin Schäuble ist in der Landespolitik zwar weniger bekannt. Sie hat aber die Frauen-Union hinter sich und auch die Sympathie von einigen mächtigen CDU-Männern.

Was sagt der CDU-Landesverband dazu?

Er schweigt vielsagend: «In unserer Partei trifft jede Gliederung und jede Ebene ihre Personalentscheidungen selbst. Die Entscheidung, wer künftig dem Bezirksverband Nordbaden vorsitzt, treffen die Delegierten auf dem Parteitag am 6. Juli in Sinsheim», lässt CDU-Landeschef Thomas Strobl - zugleich Schwiegersohn von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) - auf Anfrage verlauten.