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Da muss die Staatsanwaltschaft ganz schön viele Unterlagen wälzen, Rechnungen und Überweisungen prüfen: Eine 62-jährige Frau hat über viele Jahre hinweg mehr als 1,5 Millionen Euro eines Unternehmens aus Weil der Stadt veruntreut. Im Endeffekt könnte der Schaden sogar mehr als doppelt so hoch liegen.
Da muss die Staatsanwaltschaft ganz schön viele Unterlagen wälzen, Rechnungen und Überweisungen prüfen: Eine 62-jährige Frau hat über viele Jahre hinweg mehr als 1,5 Millionen Euro eines Unternehmens aus Weil der Stadt veruntreut. Im Endeffekt könnte der Schaden sogar mehr als doppelt so hoch liegen. © Symbolbild: dpa
24.07.2012

Kreative Buchhalterin: 62-Jährige veruntreut Millionensumme

Weil der Stadt/Stuttgart. Eine 62-jährige Frau aus Stuttgart steht im Verdacht, in einem Unternehmen über viele Jahre hinweg mehr als 1,5 Millionen Euro veruntreut zu haben. Ein Verantwortlicher einer Firma aus Weil der Stadt hatte bereits vor einigen Monaten die Unregelmäßigkeiten bemerkt und bei der Polizei Anzeige gegen die mittlerweile ausgeschiedene Beschäftigte erstattet.

Wie die über Monate dauernden Ermittlungen der Leonberger Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Stuttgart ergaben, steht die damals als Buchhalterin mit Prokura beschäftigte Mitarbeiterin im Verdacht, sowohl vom Geschäftsführer unterzeichnete Firmenschecks verfälscht, als auch Blankoschecks zu eigenen Gunsten ausgestellt zu haben. Diese somit unrechtmäßig ausgestellten Zahlungsanweisungen löste sie dann später entweder bei der Bank gegen Bargeld ein oder sie ließ sich die Summe ihrem Privatkonto gutschreiben. Um die kriminellen Machenschaften nicht offenkundig werden zu lassen, verschleierte sie schließlich die Zahlungen in der Buchhaltung.

Bei den über 200 ausgestellten Schecks, mit denen die bislang unbescholtene und langjährige Mitarbeiterin des Unternehmens seit Herbst 2006 in die eigene Tasche wirtschaftete, entstand dem Weil der Städter Tochterunternehmen eines italienischen Konzerns ein Schaden von über 1,5 Millionen Euro.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen jedoch davon aus, dass die Tatverdächtige dem Unternehmen noch einen weitaus größeren Schaden zugefügt hat, die Betrugsdelikte aber bereits strafrechtlich verjährt sind. Die erste Fälschung eines Schecks dieser Art stammt laut den Ermittlungen der Kriminalpolizei bereits aus dem Jahr 2001. Somit dürfte letztlich der Schaden für das Unternehmen, das die jahrelangen Betrügereien der Beschäftigten nicht bemerkt hat, noch weitaus höher liegen. Die Polizei geht sogar von einem tatsächlichen Gesamtschaden von etwa 3,5 Millionen Euro aus.

Neben den gefälschten Schecks stießen die Ermittler auch auf Manipulationen ihrer eigenen Gehaltszahlung. In der Lohnbuchhaltung besserte sie ihr Gehalt über Jahre hinweg monatlich um 2000 Euro auf, wodurch dem Unternehmen allein schon dadurch über 80.000 Euro Schaden entstanden ist.

Gegen die Frau, die nach Bekanntwerden der Unstimmigkeiten aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, erwirkte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Sie wurde letzte Woche in München festgenommen, als sie von einem Auslandsurlaub einreiste. Vor der Haftrichterin legte sie ein umfängliches Geständnis ab. Der Haftbefehl wurde gegen Auflagen danach außer Vollzug gesetzt. Das erschwindelte Geld floss offenbar in Immobilien, ihre Familie und in teure Reisen. pol