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Ministerpräsident Kretschmann kritisierte, dass die Organisation des Vatikans nicht ins 21. Jahrhundert passe. Foto: dpa
kretschmann © dpa
26.09.2011

Kretschmann ist unzufrieden mit dem Papst-Besuch

Freiburg. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist enttäuscht, wie unnachgiebig sich Papst Benedikt XVI bei seiner Deutschlandreise gezeigt hat. «Innerkirchliche Kritik wird zu schnell als illoyal und ungehorsam hingestellt, statt zu sehen, dass sie aus Sorge erfolgt. Das ist meine größte Kritik am Vatikan. Es ist der Ungeist, der zum Index verbotener Bücher geführt hat», sagte Kretschmann der «Welt» (Montag).

Der Ministerpräsident, der selbst gläubiger Katholik ist, übte auch ganz grundsätzliche Kritik an der römisch-katholischen Kirche: «Ich glaube, dass die ganze Organisation des Vatikans einfach nicht ins 21. Jahrhundert passt.» Der Vatikan könne von den Ortskirchen keine unbedingte Rom-Treue einfordern. «Im Glauben kann man gar nicht gehorchen. Wir können unserem Bewusstsein nichts befehlen. Im Glauben müssen wir innerlich überzeugt sein», sagte Kretschmann. «Dass wir modernen Menschen uns unsere Religion zusammenbasteln, ist ganz einfach eine Tatsache.»

Kretschmann kritisierte auch, dass der Papst nicht «stärkere Signale» zur Ökumene mit der evangelischen Kirche gegeben habe: «In Baden-Württemberg ist die Hälfte aller Ehen konfessionsverschieden. Es geht damit nicht nur um dogmatische, sondern um ganz praktische, seelsorgerische Fragen. Irgendein Zeichen wäre wichtig und notwendig gewesen.» dpa