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Innenminister Gall (Foto) und Landespolizeipräsident Hammann haben am Mittwoch die polizeiliche Kriminalstatistik 2011 für Baden-Württemberg vorgestellt. Foto: dpa
Kriminalstatistik: Mehr Straftaten und gesunkene Aufklärungsquote
21.03.2012

Kriminalstatistik: Mehr Straftaten und gesunkene Aufklärungsquote

Stuttgart (dpa/lsw) - Im Südwesten sind im vergangenen Jahr wieder mehr Straftaten verübt worden. Dabei spielt das Internet eine immer größere Rolle. Insgesamt wurden 582 844 Straftaten angezeigt, ein Plus von 1,9 Prozent im Vergleich zu 2010, sagte Innenminister Reinhold Gall (SPD) bei der Präsentation der Kriminalstatistik am Mittwoch in Stuttgart.

Auch die Zahl der Opfer und der entstandenen Schäden - vor allem durch Wirtschaftskriminalität sowie Betrugsfälle bei Anlagen und Finanzierungen - legten zu. Steigenden Raum» nähmen zudem Straftaten im Internet ein. So könne man bei der digitalen Schutzgelderpressung geradezu von einer «Explosion» sprechen. Gab es 2010 nur zwei, wurden vergangenes Jahr fast 2900 Fälle gezählt, in denen zum Beispiel vor allem Unternehmen mit Emailattacken oder Hackerangriffen auf deren IT gedroht wurde.

Die Fälle von Kinderpornografie im Netz wuchsen um ein Sechstel auf 327 Straftaten. Zudem würden mittlerweile mit steigender Tendenz viele Drogen über das Internet verkauft, vor allem synthetische. Insgesamt stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte um 10,7 Prozent auf 27 053 Fälle, was auf eine andere Erfassungsart, aber auch auf viele Kontrollen von Autofahrern zurückzuführen sei.

Der sexuelle Missbrauch an Kindern legte um ein Viertel zu. Insgesamt wurden 2011 hier 5125 Straftaten verübt, 356 mehr als 2010. Das Plus an Anzeigen könne aber ebenso auf die vielen Projekte der Polizei zurückgeführt werden, mit denen zum Beispiel Erzieher sensibilisiert worden seien, sagte Gall. Auch in einem anderen Bereich wünsche sich die Polizei, dass mehr hingeschaut würde, sagte Landespolizeipräsident Wolf Hammann. So nahmen Diebstähle aus und von Autos und verschiedene Formen von Vandalismus zu.

Es sei zwar auch ein Zeichen für zu wenig Präsenz der Polizei auf der Straße. Es mache ihm aber auch «Sorge mit Blick auf die Zivilcourage. Es wird zu oft weggeschaut», sagte er. «Sicherheit ist nicht nur Aufgabe des Staates, sondern kann von jedem selbst beeinflusst werden», sagte Gall. Sorge bereiten der Polizei auch Übergriffe auf Beamte. Die Gewalt gegen Polizisten ist um 26,5 Prozent auf rund 1600 Fälle gestiegen. «Die Respektlosigkeit macht uns ernsthaft Sorge.» Denn Täter seien auch Menschen, von denen man es zunächst nicht erwarte. Meist sei Alkohol im Spiel - ebenso wie bei vielen Körperverletzungen -, oft geschehen die Übergriffe nachts oder am Wochenende. «Vor allem dort, wo wir mit der Präsenz nicht mithalten können», sagte Gall.

Abhilfe erhofft er sich von der geplanten Polizeireform, die mehr Beamte auf die Straße bringen soll. Man reagiere aber auch mit speziellen Einsatztrainings. Einen Höchststand innerhalb der vergangenen fünf Jahre habe auch die organisierte Kriminalität erreicht, verübt vor allem von Rockern und ähnlichen Gruppen. Hier zählte die Polizei 84 Straftaten. Doch es gebe nicht nur Schatten, sondern auch Licht. «Die Prävention trägt Früchte», sagte Gall mit Blick auf die um 4,2 Prozent erneut gesunkene Zahl junger Straftäter. «Das ist ein Markenzeichen unserer Polizei.»

Mit 61 263 Tatverdächtigen unter 21 Jahren wurden so wenige registriert wie seit 15 Jahren nicht mehr. Auch bei den noch Jüngeren gebe es Erfolge. Die Zahl der angezeigten Kinder sank knapp unter die Marke von 10 000 - vor fünf Jahren seien noch knapp 12 700 Tatverdächtigte unter 14 Jahren registriert worden. Stolz zeigte sich Gall bei der bislang höchsten Aufklärungsquote von 98,7 Prozent bei den Straftaten gegen das Leben, zu denen unter anderem Mord, aber auch verbotene Abtreibungen gehörten. Das sei vor allem auf verbesserte Technik zurückzuführen, weshalb auch länger zurückliegende Taten hätten aufgeklärt werden können.

Insgesamt sank jedoch die Aufklärungsquote auf 58,6 Prozent, nach 59,9 Prozent im Vorjahr. Als Grund nannte Gall vor allem die starke Zunahme schwer aufklärbarer Taten wie Diebstahl oder Sachbeschädigung.