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Im St. Anna-Stift in Freiburg starb nach Polizeiangaben Anfang Juni ein 75-jähriger Mann. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen eines möglichen Tötungsdeliktes.
Im St. Anna-Stift in Freiburg starb nach Polizeiangaben Anfang Juni ein 75-jähriger Mann. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen eines möglichen Tötungsdeliktes. © dpa
25.06.2013

Kripo ermittelt: Tod nach Überdosis Insulin im Altenheim?

Nach dem Tod eines 75-jährigen Heimbewohners im St. Anna-Stift in Freiburg ermittelt die Kriminalpolizei wegen eines möglichen Tötungsdeliktes. Laut Obduktion könnte die grundlose Verabreichung des Diabetes-Medikaments Insulin den Tod des Mannes mitverursacht haben, teilte die Polizei am Dienstag mit. Details dazu nannten ein Sprecher und Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier nicht.

Am 5. Juni hatten Notärzte den 75-Jährigen sowie eine 83 Jahre alte Frau wegen lebensbedrohlicher Unterzuckerung behandelt. Beide galten nicht als insulinpflichtige Patienten. Deshalb bestand der Verdacht, ihnen sei Insulin verabreicht worden. Die Mediziner informierten die Polizei nach deren Angaben über den Vorfall.

Der 75-Jährige starb am 10. Juni. Zwei Tage später wurde seine Leiche obduziert. Anschließend richtete Kriminaldirektor Bernd Belle eine mehr als 30 Ermittler umfassende Sonderkommission ein. Sie hat seither unter der Leitung von Chefermittler Klaus Jetter Dutzende Zeugen befragt und untersucht rund 200 Spuren. Bislang waren die Ermittler mit dem Fall nicht an die Öffentlichkeit gegangen, nun sei die Angelegenheit aber an die Öffentlichkeit gedrungen.

Der Verdacht richte sich gegen niemanden konkret, sagte Oberstaatsanwalt Maier. «Da ist die ganze Palette denkbar.» So könnte ein Pfleger das Insulin absichtlich oder versehentlich verabreicht haben. Gleiches gilt für Heimbewohner oder Angehörige. Maier betonte, dass bisher nicht einmal hundertprozentig geklärt sei, dass der Stoff, der den Zuckergehalt im Blut senkt, todesursächlich war.

Die Rechtsanwälte Ferdinand Gillmeister und Christian Rode, die die St. Anna-Stift GmbH aus dem Caritasverband Freiburg-Stadt vertreten, teilten mit, gegen die Leitung werde kein Verdacht geäußert. «Die St. Anna-Stift GmbH tut alles in ihrer Macht stehende, um ihre Bewohner und Bewohnerinnen zu schützen.»

Nach Polizeiangaben sind in dem Heim rund 100 Menschen beschäftigt und 80 Bewohner untergebracht. Das Heim sei nach wie vor geöffnet. Ob Angestellte gefeuert oder beurlaubt wurden, war zunächst unklar. Ähnliche Vorfälle habe es in der Vergangenheit nicht gegeben.