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Religionslehrer Ridwan Bauknecht unterrichtet in Bonn an der Robert-Koch-Schule islamische Religion. Nordrhein-Westfalen ist damit bundesweit Vorreiter beim Islamunterricht. Baden-Württemberg will jetzt nachziehen.
Religionslehrer Ridwan Bauknecht unterrichtet in Bonn an der Robert-Koch-Schule islamische Religion. Nordrhein-Westfalen ist damit bundesweit Vorreiter beim Islamunterricht. Baden-Württemberg will jetzt nachziehen. © dpa-Archiv
04.01.2015

Kultusminister: Islamischer Religionsunterricht beugt Fanatisierung vor

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) will mit dem Ausbau islamischen Religionsunterrichts auch der Fanatisierung Jugendlicher vorbeugen. «Manche jungen Menschen sind leichte Beute für extreme Auslegungen, weil ihnen die Kenntnis des Fundaments ihrer Religion fehlt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Islamischer Religionsunterricht könne dazu beitragen, zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche als «religiöse Analphabeten» auf Extremisten hereinfallen. Überdies sei der Islam Teil der gesellschaftlichen Realität.

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Kann staatlich organisierter Islamunterricht an den Schulen dem religiösen Extremismus vorbeugen?

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Nein 79%
Weiß nicht 4%
Stimmen gesamt 567

Nach einem Beschluss der grün-roten Landesregierung soll das seit dem Schuljahr 2006/07 laufende Modellprojekt mit islamischem Religionsunterricht auf Basis von Elternvereinen nach Bedarf und verfügbaren Mitteln an bis zu 20 Standorten pro Jahr ausgebaut werden. Bislang nehmen mehr als 2000 Kinder an 31 Schulen teil, darunter 24 Grundschulen, sechs Haupt- und Werkrealschulen sowie eine Realschule. Die Inhalte des Unterrichts in deutscher Sprache sind von Religionsgemeinschaften erarbeitet worden.

Derzeit prüft das Ministerium überdies zwei Anträge von potenziellen islamischen Trägern für sunnitischen Religionsunterricht. Dabei handelt es sich um den türkischen Verband Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) und den Verband der Islamischen Kulturzentren. Die Verbände müssten darlegen, dass sie Mitglieder haben, denen sie den Religionsunterricht anbieten, erläuterte Stoch. Eine Trägerstruktur ähnlich wie die christlichen Kirchen sei notwendig.

 

Dagegen wird die flächendeckende Einführung des Faches Ethik ab Klasse eins zugunsten anderer Herausforderungen wie der Inklusion zurückgestellt. Stoch: «Da müssen wir zu Beginn der neuen Legislaturperiode ran.» An manchen Schulen seien 80 Prozent der Kinder nicht mehr Mitglied einer christlichen Kirche.

 

Potenziell könnten landesweit 90 000 Kinder und Jugendliche von dem bekenntnisorientierten Religionsunterricht profitieren. Im Südwesten leben insgesamt 650 000 Moslems, darunter nach Auskunft des Ministeriums 85 Prozent Sunniten. Schiiten sähen keine Probleme, ihre Kinder in einen sunnitisch geprägten Religionsunterricht zu schicken.

Stoch kündigte überdies an, dass sich die die Zahl der Vorbereitungsklassen stark erhöhen werde, und zwar auch an Realschulen und Gymnasien. Dafür würden angesichts steigender Flüchtlingszahlen voraussichtlich 2015 erneut Mittel in einer Größenordnung von 200 Stellen bereitgestellt. Zu Anfang des laufenden Schuljahres waren bereits 200 Lehrerstellen für die Klassen geschaffen worden, in denen Flüchtlingskinder auf den regulären Unterricht vorbereitet werden.

Allerdings seien Fachkräfte für Deutsch als Fremdsprache rar, erläuterte Stoch. Derzeit fänden an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg entsprechende Lehrerfortbildungen statt. «Das ist eine hochkomplexe Aufgabe, weil die Kinder sehr unterschiedlich in Alter, Voraussetzungen sowie Sprachstand sind.»

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