nach oben

Rocker kontra Türsteher - Hells Angels, United Tribuns, Black Jackets, Gremium, Red Legion

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten, ein türkischer Abgeordneter mit guten Beziehungen zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan solle enge Beziehungen zu der Rockergruppe Osmanen Germania Box-Club gehabt haben - mit üblen Folgen zum Beispiel für türkisch-kurdische Auseinandersetzungen in Stuttgart. Foto: dpa
Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten, ein türkischer Abgeordneter mit guten Beziehungen zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan solle enge Beziehungen zu der Rockergruppe Osmanen Germania Box-Club gehabt haben - mit üblen Folgen zum Beispiel für türkisch-kurdische Auseinandersetzungen in Stuttgart. Foto: dpa
14.12.2017

LKA prüft Verbindungen von türkischen Osmanen-Germania-Rockern in die Politik

Das Landeskriminalamt geht möglichen politischen Hintergründen des Konflikts zwischen türkischen und kurdischen Rockern in Baden-Württemberg nach. Das sagte Landeskriminaldirektor Klaus Ziwey in Stuttgart. Es solle geschaut werden, ob die Gruppe Osmanen Germania Box-Club politisch vom Ausland gesteuert werde. „Deshalb haben wir zum ersten Mal auch den Staatsschutz bei den Ermittlungen gegen diese Gruppierungen ins Boot geholt.“

Er sagte, die Osmanen hätten Kontakt zur Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Die UETD gilt nach Angaben des Innenministeriums als inoffizielle Auslandsorganisation der AKP. Das ist die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten unterdessen, ein türkischer Abgeordneter mit guten Beziehungen zu Erdogan solle enge Beziehungen zu den Osmanen geknüpft haben. Die beiden Medien berichteten unter Berufung auf Abhör- und Observationsprotokolle deutscher Sicherheitsbehörden, der AKP-Abgeordnete Metin Külünk habe Geld an führende Mitglieder der Osmanen übergeben oder übergeben lassen. Die Ermittler gingen demnach davon aus, dass davon auch Schusswaffen gekauft worden seien.

Külünk soll den Recherchen zufolge auch daran mitgewirkt haben, die Proteste gegen die Armenier-Resolution des Bundestages im vergangenen Jahr zu organisieren. Laut den „Stuttgarter Nachrichten“ sollen Erdogan-Vertraute auch Schlägertrupps auf den ZDF-Moderator Jan Böhmermann gehetzt haben. In Telefonaten habe Külünk außerdem seine Landsleute aufgefordert, Kurden „mit Stöcken auf den Kopf zu schlagen“. Ein Kontaktmann Külünks, der frühere Osmanen-Chef Mehmet Bagci, war für die Journalisten für eine kurzfristige Stellungnahme nicht zu erreichen. Bagci sitzt derzeit wegen anderer Tatvorwürfe in Untersuchungshaft.

Der FDP-Fraktionschef im Landtag, Hans-Ulrich Rülke, forderte, die UETD vom Landesverfassungsschutz und bundesweit beobachten zu lassen. „Mein Eindruck ist, dass der türkische Staatspräsident Erdogan eine paramilitärische Hilfstruppe zur Durchsetzung seiner politischen Ziele in Deutschland aufgebaut hat.“ Grünen-Bundeschef Cem Özdemir sagte: „Der lange Arm von Erdogan hat in Deutschland nichts verloren.“

In Baden-Württemberg gibt es Auseinandersetzungen zwischen nationalistischen Türken (Osmanen) und türkischen Kurden, die in der Gruppe Bahoz („Sturm“) organisiert sind. Die Streitereien hatten in der zweiten Jahreshälfte 2016 ihren Höhepunkt, flauten aber zuletzt ab. „Die Leute sitzen teilweise noch in Untersuchungshaft. Darunter auch die gesamte Führungsspitze der Osmanen und eine Anzahl Bahoz-Mitglieder“, sagte Ziwey. Beide Organisationen zählen zu den rockerähnliche Gruppierungen mit Bezügen zur Organisierten Kriminalität. Es habe massive Gewalttaten und auch Rauschgiftdelikte bis hin zu versuchten Tötungen gegeben. „Wir dürfen diesen Gruppen nicht die Straßen und Plätze überlassen“, betonte der Experte.

Erst in der vergangenen Woche war ein 25-Jähriger nach blutigen Kämpfen zwischen Straßengangs in Stuttgart und Ludwigsburg im April 2016 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte zugegeben, in einer Gruppe von Anhängern der türkisch geprägten Gang Osmanen Germania BC in Stuttgart einen Kontrahenten der sogenannten Stuttgarter Kurden mit einem Messer angegriffen und verletzt zu haben.