nach oben
Bundeswehrsoldaten in Schutzanzügen stehen an einem Dekontaminationspunkt am Fähranleger Saßnitz-Mukran auf der Insel Rügen am 25.02.2006 hinter einem Warnschild mit der Aufschrift "Geflügelpest Schutzzone". Ein winziger Erreger - das hochpathogene H5N1- löste vor zehn Jahren den Ausnahmezustand auf Rügen aus und verunsicherte deutschlandweit die Bevölkerung.
Bundeswehrsoldaten in Schutzanzügen stehen an einem Dekontaminationspunkt am Fähranleger Saßnitz-Mukran auf der Insel Rügen am 25.02.2006 hinter einem Warnschild mit der Aufschrift "Geflügelpest Schutzzone". Ein winziger Erreger - das hochpathogene H5N1- löste vor zehn Jahren den Ausnahmezustand auf Rügen aus und verunsicherte deutschlandweit die Bevölkerung. © dpa-Archiv
09.11.2016

Labor bestätigt: Stark krankmachende Form von Vogelgrippe am Bodensee

Konstanz (dpa/lsw) - Bei Wildvögeln am Bodensee ist Vogelgrippe festgestellt worden. Das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte, dass es sich um die stark krankmachende Form handelt, wie das Agrarministerium am Mittwoch mitteilte.

Zunächst war nur der Verdacht bestanden, bei mehreren toten Wildvögeln am Bodensee könne es sich um Vogelgrippe handeln. Proben toter Reiherenten aus der Nähe von Konstanz wurden zum Nationalen Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostsee-Insel Riems gesandt, wie das Agrarministerium am Dienstag in Stuttgart mitteilte.

Die toten Reiherenten waren vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg (CVUA) und vom Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf-Diagnostikzentrum positiv auf Vogelgrippe getestet worden.

In Schleswig-Holstein hat das Institut den Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Es handelt es sich um eine Geflügel stark krankmachende Variante, die deswegen auch Geflügelpest genannt wird. Als Vorsichtsmaßnahme ordnete Kiel eine Stallpflicht für Geflügel wie Hühner, Puten oder Gänse an.

Im Kreis Plön richtet das Veterinäramt einen Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein. Seit dem Wochenende wurden mehr als 200 tote Vögel entdeckt. Den Angaben zufolge handelt es sich überwiegend um gut genährte Reiherenten. Es sind aber auch Blässhühner, Schwäne, Gänse und Möwen betroffen.

Vogelgrippe-Erreger H5N8 

Das Vogelgrippe-Virus H5N8 kann in unterschiedlich gefährlicher Form auftreten. Ein hochpathogenes Influenzavirus H5N8 wurde nach Auskunft des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) erstmals Anfang 2014 in Südkorea bei Geflügel und Wildvögeln nachgewiesen. Dort habe es diverse Ausbrüche gegeben, mehrere Millionen Vögel seien sicherheitshalber getötet worden. Im Zuge der Ausbrüche seien infizierte Wildenten entdeckt worden, die aber weniger stark erkranken. Das Virus tauchte auch in China und Japan auf.

Seit November 2014 wurden solche H5N8-Viren in mehreren Geflügelbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern entdeckt. Infektionen von Menschen mit den Viren sind laut FLI bislang weltweit nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung «theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich». H5N8-Viren war schon früher entdeckt worden, etwa 1983 in Irland.