nach oben
Jedes Jahr sind befristet beschäftigte Lehrer für einige Wochen arbeitslos. Seit Jahren klagen die Lehrerverbände darüber – jetzt machen sie dagegen mobil.  Foto: dpa
Jedes Jahr sind befristet beschäftigte Lehrer für einige Wochen arbeitslos. Seit Jahren klagen die Lehrerverbände darüber – jetzt machen sie dagegen mobil. Foto: dpa
11.07.2016

Land entlässt befristet angestellte Pädagogen und Referendare im Sommer

Verbände appellieren an die grün-schwarze Regierung, die bisher übliche Entlassung von befristet angestellten Lehrern und Referendaren zu den Sommerferien zu beenden. Lehrervertreter, Landeselternbeirat und Landeschülerbeirat verwiesen am Montag in Stuttgart auf Versprechen im CDU-Programm zur Landtagswahl, den grün-schwarzen Koalitionsvertrag und auf die Tatsache, dass junge Lehrer abwanderten, weil ihnen die Arbeitsbedingungen in Baden-Württemberg zu unattraktiv sind. Lehrer müssten in den Ferien bezahlt werden, wenn sie im September wieder beschäftigt würden. Das Land hält das für nicht finanzierbar.

Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beginnt mit den Sommerferien für fast 9000 Lehrer die Arbeitslosigkeit. Es handele sich um 5000 Referendare und mehr als 3000 befristet angestellte Lehrer. Die GEW erwartet insbesondere von der CDU Taten. Diese hat das Kultusministerium inne und hatte im Wahlkampf versprochen, die Beschäftigungsverhältnisse so zu ändern, dass sich niemand in den Ferien arbeitslos melden muss.

„Das Land macht befristete Verträge, weil das einfach viel billiger ist, als Menschen ordentlich zu bezahlen und dauerhaft zu beschäftigen“, kritisierte GEW-Landeschefin Doro Moritz. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte kürzlich erklärt, dass eine dauerhafte Einstellung bisher befristet beschäftigter Vertretungslehrer das Land 35 Millionen Euro kosten würde. Das Geld sei aber im Landeshaushalt nicht vorhanden.

Das sieht auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) so. „Nicht alles, was wünschenswert wäre, ist leider auch finanzierbar“, teilte sie mit. „Aktuell sehe ich den dringendsten Handlungsbedarf bei der qualitativen Weiterentwicklung unserer Schulen.“ Dafür würden die finanziellen Spielräume genutzt. Priorität hätten für sie Vorhaben, die zum Beispiel auf die Unterrichtsqualität und die Förderung von Schülern zielten. Bereits die grün-rote Vorgängerregierung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Weiterbeschäftigung aller befristeten Beschäftigten über die Ferien nicht bezahlbar sei.

Die FDP schlug sich auf die Seite der Verbände. Ihr Bildungsexperte im Landtag, Timm Kern, meinte, die neue Regierung unternehme offenbar nicht einmal den Versuch, die schäbige Praxis der Sommerferien-Entlassung von Lehrerinnen und Lehrern abzustellen.