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In Ulm wird bereits intensiv zur Elektromobilität geforscht. Geht es nach der Regierung, soll auch die Batteriezellenforschung dazukommen. Foto: dpa
In Ulm wird bereits intensiv zur Elektromobilität geforscht. Geht es nach der Regierung, soll auch die Batteriezellenforschung dazukommen. Foto: dpa
11.07.2019

Land hält an Batterieforschung fest

Baden-Württemberg sah sich schon als Sieger: Eine halbe Milliarde Euro für eine Forschungsfabrik für Batteriezellen in Ulm galten als ausgemacht. Zur Enttäuschung von Politik, Forschung und Wirtschaftentschied sich Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) dann aber für Münster, ihre Heimatregion. Das sorgte im Landtag quer durch die Bank für Unmut. Wie geht es jetzt weiter?

Mit welchen Argumenten hat Ulm für sich geworben?

Die Hoffnungen stützten sich auf eine – aus der Sicht des Landes, des Stadtrates und der in Ulm schon ansässigen Forschungseinrichtungen – sehr solide Bewerbung. So wird in Ulm längst zur Elektromobilität geforscht. Die Geburtsstadt von Albert Einstein investiert seit Jahren in den Aufbau von Forschungs- und Entwicklungskapazitäten. Es entstand eine Wissenschaftsstadt, in der auch große Unternehmen der Automobilindustrie forschen. Ein Schwerpunkt ist in Kooperation mit der Universität das autonome Fahren. An der Batterieforschungsfabrik wollten sich das Stuttgarter Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW), das bereits einen Ableger in Ulm hat, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das ebenfalls in der Batterieforschung engagierte Helmholtz-Institut Ulm beteiligen. „In Ulm stand alles bereit. Wir hätten morgen mit der Forschungsfertigung beginnen können“, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gestern.

Wie wollte sich das Land in Ulm engagieren?

Die grün-schwarze Landesregierung hatte für Ulm 185 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Sie verwies darauf, dass in Ulm schon ein Grundstück und verschiedene Gebäude bereitgestanden hätten. In den vergangenen fünf Jahren hat das Land Baden-Württemberg nach Angaben des Wissenschaftsministeriums schon rund 100 Millionen Euro Landesmittel in die Batterieforschung gesteckt.

Was bleibt jetzt für Ulm?

Ulm soll nun für einzelne Aspekte der Batterieforschung zu einer Art Nebenstandort werden. Das wird eher als ein Trostpflaster angesehen. Dass Ulm zudem stärker an der Forschung im Bereich Brennstoffzellen und Wasserstoff beteiligt werden soll, begrüßt das Land zwar, aber Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stellte auch klar, man werde dies nicht als Ersatz akzeptieren.

Worum geht es bei der Brennstoffzellenforschung konkret?

Das ZSW soll an seinem Standort in der Ulmer Wissenschaftsstadt eine Forschungsfabrik für die Brennstoffzelle als Alternative zum Elektroantrieb aufbauen. Das Volumen der Förderung von Bund und Land werde „ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag sein“, wie die Ulmer Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer (CDU) mitteilte. Die Rede ist von insgesamt etwa 75 Millionen Euro. Im Vergleich zur Batterieforschungsfabrik geht es also um deutlich geringere Summen.

Was plant das Land?

Hoffmeister-Kraut deutete an, dass das Land versuchen wird, in Eigenregie – zusammen mit Wirtschaft und Wissenschaft – etwas zur Batteriezellenforschung auf die Beine zu stellen. Die Gespräche befinden sich aber noch ganz am Anfang. Zudem gibt es noch andere, laufende Ausschreibungsverfahren des Bundes. So will das Bundeswirtschaftsministerium noch in diesem Jahr über Produktionsstätten zur industriellen Herstellung von Batterien entscheiden. Das Land hofft, zumindest Teile abzubekommen, da der Batteriehersteller Varta aus Ellwangen zu einem Konsortium gehört, das sich dafür beworben hat.

Wie geht es jetzt weiter?

Bundesforschungsministerin Karliczek wird am Montag zu Gesprächen in Ulm erwartet und soll auch einen Standort des ZSW besuchen, der sich unter anderem mit Batterieforschung beschäftigt und Teil der Ulmer Bewerbung war. Oberbürgermeister Gunter Czisch will von seiner Parteifreundin erst einmal Aufklärung über deren Entscheidung einfordern.