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Vielen Gemeinden auf dem Land fehlt es am Nötigsten. Die Landesregierung setzt dem ein millionenschweres Förderprogramm entgegen.
Land investiert 60 Millionen Euro gegen Abwärtstrend auf dem Dorf © dpa
17.03.2014

Land investiert 60 Millionen Euro gegen Abwärtstrend auf dem Dorf

Stuttgart. Die Landesregierung greift dem ländlichen Raum in diesem Jahr mit rund 60 Millionen Euro unter die Arme. Es gehe darum, Infrastruktur und somit Arbeitsplätze auf dem Land zu sichern, sagte der zuständige Minister, Alexander Bonde (Grüne), am Montag. Denn kleine Gemeinden auf der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald und in Nordwürttemberg klagen seit langem, dass ihnen die Infrastruktur und damit auch die Zukunftschancen wegbrechen. Die FDP warf Grün-Rot vor, den ländlichen Raum massiv zu vernachlässigen.

Mit dem 60,4 Millionen Euro schweren Entwicklungsprogramm würden zum Beispiel Unternehmer und Genossenschaften unterstützt, die eine Nahversorgung mit Lebensmitteln in kleinen Orten sicherstellten, sagte Bonde in Stuttgart. «Wir kämpfen in der Fläche, wie wir hier Grund- und Nahversorgung aufrechterhalten können.» Es gehe darum, «den ländlichen Raum als Lebens- und Wirtschaftsraum zukunftsfähig zu machen». Die Fördersumme sei im Vergleich zu 2010 um gut 25 Prozent aufgestockt worden.

Der Gemeindetag warnte, dass sich Gemeinden auf dem Land teilweise in einer gefährlichen Abwärtsspirale befinden. «Erst macht der Laden zu, dann der Bäcker und die Schule, dann verschwinden die Einwohner, der Gemeinde fehlen Einnahmen und der Wirtschaft die Fachkräfte», sagte eine Sprecherin. Viele Gemeinden im ländlichen Raum müssten anders als die Städte längst einen starken Einwohnerschwund verkraften. Deshalb sei es wichtig, Lösungen für den Ärztemangel, die Schließung von Schulen und das Fehlen von schnellem Internet in zahlreichen Regionen zu finden.

Bonde betonte hingegen, bei der Wirtschaftskraft gebe es zwischen Städten und ländlichen Regionen im Südwesten ein so niedriges Gefälle wie in keinem anderen Bundesland. Es wäre völlig falsch, «dass man unter dem Absingen von Klageliedern in eine Abwärtsspirale geht». Viele Gemeinden hätten längst vielversprechende Ansätze entwickelt, die das Land finanziell fördern wolle.

Die FDP-Fraktion warf der grün-roten Landesregierung vor, den ländlichen Raum völlig im Stich zu lassen. «Das Chaos in der Verkehrspolitik schneidet ländliche Kommunen zusehends von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Die Schulinfrastruktur droht mancherorts auszubluten und in der Förderpolitik gängelt die Landesregierung den ländlichen Raum mit immer neuen ideologischen Auflagen und Stellschrauben», sagte der Sprecher für den ländlichen Raum, Friedrich Bullinger.