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Den Grundschulen droht in den nächsten drei Jahren akuter Lehrermangel. Das Kultusministerium will die Personalnot entschärfen und setzt dabei auch auf Gymnasiallehrer. Dafür wirft Ministerin Eisenmann einen Köder aus.
Den Grundschulen droht in den nächsten drei Jahren akuter Lehrermangel. Das Kultusministerium will die Personalnot entschärfen und setzt dabei auch auf Gymnasiallehrer. Dafür wirft Ministerin Eisenmann einen Köder aus. © dpa
09.02.2018

Land lockt mit Einstellungszusage Gymnasiallehrer an Grundschulen

Stuttgart. Pädagogen, die nach ihrer Ausbildung zum Gymnasiallehrer an eine Grundschule gehen, sollen eine Einstellungszusage als verbeamtete Gymnasiallehrer erhalten.

«So etwas gab es noch gar nie», betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Freitag in Stuttgart. Das Angebot gelte für die Einstellungen im Schuljahr 2018/19, für das eine Lücke von 500 Stellen an Grundschulen absehbar sei. Die Zusage werde in der Zeit nach dem aktuellen Lehrermangel an dieser Schulart eingelöst. Die durch eine Pensionierungswelle verursachte Durststrecke werde im Jahr 2021 vorüber sein, erläuterte Eisenmann.

Hintergrund der Offerte ist, dass 1600 freien Stellen an den 2400 Grundschulen im Land im nächsten Schuljahr nur 1100 Bewerber gegenüber stehen. Zudem werden zu den 2000 Gymnasiallehrern mit nicht nachgefragten Fächerkombinationen weitere etwa 2500 im Schuljahr 2018/19 hinzukommen. Kaum Chancen auf eine Stelle am Gymnasium haben Lehrer, die Deutsch, Englisch, Spanisch oder Geschichte studiert haben.

Im laufenden Schuljahr hatten nur 30 Gymnasiallehrer das Angebot angenommen, in der ersten bis vierten Klasse zu arbeiten. «Das hat mich überrascht, weil die Alternative ist, keinen Job zu haben», sagte Eisenmann. Sie hatten allerdings nur verbesserte Chancen bei der Bewerbung auf eine Stelle an einem Gymnasium in Aussicht gestellt bekommen - aber keine verbindliche Zusage.

Der Einstieg in die Lehre an der Grundschule soll durch eine auf ein Jahr halbierte berufsbegleitende Zusatzqualifikation erleichtert werden. Nach Abschluss dieser Weiterbildung können die Lehrer ins Beamtenverhältnis auf Probe übernommen werden. Überdies lockert das Ministerium auch die Kriterien für die Interessenten: Bislang mussten Lehrkräfte zwei Fächer aus dem Fächerkanon der Grundschule abdecken. Künftig werden auch Pädagogen zugelassen, die Fächer wie Englisch, Kunst, Chemie oder Geschichte studiert haben. Auch Lehrkräfte, die mindestens einen Vertretungsvertrag an einer Grundschule erfüllt haben, können sich bewerben.

Besonders erfolgreich waren die bisherigen Bemühungen des Kultusministeriums, die Personalnot einzudämmen, beim Reaktivieren von Pensionären. Derzeit besetzen 500 von ihnen 150 Stellen. Rund 300 Lehrer haben ihre Dienstzeit über ihre Altersgrenze hinaus verlängert; dadurch gewinnt das Land etwa 280 Stellen. Durch das Aufstocken von Teilzeit kamen 73 Stellen zusammen. Um Personal einzusparen, wurden landesweit gut 100 Klassen nicht geteilt, obwohl ihre Schülerzahl eigentlich zu hoch war.

An ein Schließen der vielen kleinen Grundschulen - rund 800 von ihnen haben weniger als 100 Schüler - denke sie nicht, unterstrich die Ministerin. Das Prinzip «Kurze Beine, kurze Wege» habe sich bewährt.

Neben Grundschullehrern fehlen auch Sonderpädagogen und Lehrer für Naturwissenschaften an weiterführenden Schulen. In diesen Bereichen seien schon zu Schuljahresbeginn Stellen unbesetzt gewesen. So seien Vertretungslehrer eingesetzt worden, die eigentlich kranke und durch Fortbildung verhinderte Lehrer ersetzen sollten. Nach den Worten von Eisenmann ist die Lehrerversorgung im Südwesten «auf Kante genäht». «Unterrichtsversorgung hat für mich höchste Priorität», resümierte die Ministerin.