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Lehrer als Saisonarbeiter? Baden-Württemberg wirft mehr befristet beschäftigte Pädagogen vor Beginn der Sommerferien raus als andere Länder. Dabei hatte Grün-Rot versprochen, das zu ändern.
Lehrer als Saisonarbeiter? Baden-Württemberg wirft mehr befristet beschäftigte Pädagogen vor Beginn der Sommerferien raus als andere Länder. Dabei hatte Grün-Rot versprochen, das zu ändern. © dpa
13.05.2013

Land setzt weiter hunderte Lehrer in den Sommerferien an die Luft

Das Land Baden-Württemberg behält auch unter Grün-Rot die Praxis bei, hunderte befristet angestellte Lehrer während der Sommerferien auf die Straße zu setzen. Laut Bundesagentur für Arbeit war der Südwesten 2012 unter den Bundesländern Spitzenreiter. In den Monaten August und September 2012 waren etwa 1600 Lehrer mehr arbeitslos gemeldet als im Jahresdurchschnitt.

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Das Kultusministerium erklärte am Montag in Stuttgart, es gebe keine Pläne, diese Praxis zu ändern. Die Lehrergewerkschaft GEW warf Grün-Rot vor, damit ein Versprechen zu brechen.

Nach einer Schätzung der Gewerkschaft werden in diesem Jahr wieder rund 2000 Lehrer betroffen sein. Das Land spart durch diese Praxis für sechseinhalb Wochen das Gehalt für die Pädagogen. Die befristet beschäftigten Lehrer müssen dann Arbeitslosengeld I oder - wegen nicht ausreichender Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung - kurzzeitig Hartz IV beantragen.

«Grün-Rot hat hier in Oppositionsjahren Versprechungen gemacht und Erwartungen geweckt, gegen diese Praxis vorzugehen», sagte Gewerkschaftssprecher Matthias Schneider am Montag. Diese seien mit Verweis auf die enge finanzielle Haushaltslage aber nicht erfüllt worden.

GEW-Landesvorsitzender Doro Moritz sagte am Montag in Stuttgart, man erwarte von SPD-Kultusminister Andreas Stoch nun eine klare Zusage, dass die Praxis der Lehrerentlassungen in den Sommermonaten gestoppt wird. «Die meisten werden ab September wieder benötigt und trotzdem von der Landesregierung in die Arbeitslosigkeit geschickt.» Auch die Schulleitungen hingen in der Luft, weil sie oft erst im September wissen würden, ob die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr gesichert sei. Andere Bundesländer hätten diese Praxis bereits beendet. Damit drohe Baden-Württemberg jetzt die Abwanderung junger Lehrer.

Das Kultusministerium wies darauf hin, dass die Vertretungen an einen Grund gekoppelt seien wie Krankheit oder Mutterschutz, der in den Sommerferien nicht bestehe. Das Ministerium würde eine Weiterbeschäftigung der Vertretungskräfte zwar aus sozialen Gründen befürworten, dies sei aber angesichts der angespannten Haushaltslage nicht finanzierbar.

Das Ministerium will aber mehr Lehrer fest anstellen, die als Krankheitsvertretung einspringen können. Ihre Zahl sei bereits in den vergangenen Jahren um jeweils 200 angewachsen auf jetzt knapp 1700 Deputate. Diese Entwicklung werde dazu führen, dass künftig weniger Vertretungslehrer mit befristeten Verträgen arbeiten müssen.

Wie alle anderen Lehramtsbewerber könnten sich die befristet Beschäftigten zum neuen Schuljahr auf eine unbefristete Stelle bewerben. In dem Verfahren werde ihr vorangegangenes Engagement positiv berücksichtigt, sagte die Ministeriumssprecherin.

Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl erklärte, die Spitzenposition des Landes in der Statistik sei «eine Schande» - obwohl die frühere CDU-geführten Landesregierung das ähnlich gehandhabt hat.

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