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469 605 Tiere wurden 2014 nach aktuellsten Zahlen im Südwesten in Versuchen verwendet oder für wissenschaftliche Zwecke getötet. Um ihre Zahl künftig zu reduzieren, unterstützt die Landesregierung Forschungen zu Alternativen.
469 605 Tiere wurden 2014 nach aktuellsten Zahlen im Südwesten in Versuchen verwendet oder für wissenschaftliche Zwecke getötet. Um ihre Zahl künftig zu reduzieren, unterstützt die Landesregierung Forschungen zu Alternativen. © dpa
14.09.2016

Land unterstützt Forschung zu Alternativen für Tierversuche

Stuttgart. Unnötiges Leid oder notwendiges Übel? Im Südwesten werden jährlich Hunderttausende Tiere in Versuchen eingesetzt oder für wissenschaftliche Zwecke getötet. Um diese Zahl zu reduzieren und künftig in möglichst vielen Bereichen auf Tierversuche verzichten zu können, unterstützt die Landesregierung vier Projekte im Südwesten mit einem 400 000 Euro schweren Förderprogramm. Das teilten der für den Tierschutz zuständige Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Mittwoch mit.

Unter den geförderten Projekten seien beispielsweise Projekte im Bereich der Augenheilkunde an der Universität Tübingen und in der Biomedizin an der Universität Konstanz, hieß es bei den Ministerien weiter. Mit dem Förderprogramm solle ein Anreiz für Wissenschaftler geschaffen werden, in diesem Feld voranzugehen.

Aus Sicht des Vereins «Ärzte gegen Tierversuche» ist das dringend notwendig: Im bundesweiten Vergleich liege Baden-Württemberg bei Experimenten mit Tieren an der Spitze, erklärte die Organisation. «Zwar hat im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Tiere um 19 Prozent abgenommen, dennoch nimmt das Land erneut die führende Negativrolle ein.» Der Südwesten habe damit einen Anteil von fast 17 Prozent an der Gesamtzahl der Versuchstiere in Deutschland.

Denn bundesweit wurden nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums 2014 fast 2,8 Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Allein im Südwesten waren es nach Angaben des Landwirtschafts- und Verbraucherministeriums in Stuttgart rund 469 600 Tiere, 2013 mehr als 495 300. Aktuellere Zahlen liegen bislang nicht vor.

Die Ministerien im Südwesten argumentieren, dass Baden-Württemberg ein wichtiger Standort der biomedizinischen Forschung sei - und ein vollständiger Verzicht auf Tierversuche derzeit noch nicht möglich. In manchen Forschungsfeldern, etwa bei der Untersuchung chronischer Erkrankungen des Menschen, gebe es noch keine ausreichenden Alternativen, sagte Bauer. Bestimmte Versuche, etwa im Rahmen von Sicherheitsprüfungen, seien zudem gesetzlich vorgeschrieben.

Zuletzt war im Südwesten das Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik wegen umstrittener Affenversuche in die Kritik geraten. Ein Tierschützer soll sich 2014 mit versteckter Kamera als Pfleger in das Institut eingeschleust haben. Die Aufnahmen zeigten Affen mit Gehirn-Implantaten. Nach der TV-Berichterstattung hatten Max-Planck-Institute bundesweit nach eigenen Angaben mehrere hundert E-Mails und Posts mit persönlichen Beschimpfungen, aber auch Drohungen erhalten. Der Tübinger Institutsleiter Nikos Logothetis hatte daraufhin erklärt, die Versuche an Primaten in Tübingen auslaufen zu lassen und nur noch mit Ratten arbeiten zu wollen.