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Sterben und Tod sind für viele Menschen ein Tabu. Die Landesregierung will nun mehr Menschen fit machen für den Umgang mit schwierigen Situationen. Das Ziel ist eine «Sorgekultur» für Menschen an deren Lebensende.
Sterben und Tod sind für viele Menschen ein Tabu. Die Landesregierung will nun mehr Menschen fit machen für den Umgang mit schwierigen Situationen. Das Ziel ist eine «Sorgekultur» für Menschen an deren Lebensende. © dpa
04.12.2018

Land unterstützt Sterbe- und Trauerbegleitung mit Millionenbetrag

Stuttgart. Trauernde und Sterbende in Baden-Württemberg können nun zum Beispiel neben kirchlichen Angeboten auch auf Unterstützung des Landes setzen.

Baden-Württemberg gebe für dieses und kommendes Jahr rund 1,3 Millionen Euro für deren Begleitung aus, teilte die Landesregierung am Dienstag in Stuttgart mit. Es gehöre zu den Aufgaben der Politik, Sterbenden und deren Angehörigen so viel Hilfe und Geborgenheit wie möglich zu geben, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Er stellte mit Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) den Aktionsplan «Hospiz- und Palliativversorgung in Baden-Württemerg» vor.

Finanziert werden sollen mit dem Geld zum Beispiel 24 neue Betten in den 30 Hospizstationen im Land. Bisher sind es laut Ministerium 219 Betten. Das Land fördert zudem die Teilnahme von Pflegekräften an Kursen, die sich der Begleitung Sterbender in Heimen widmen. Außerdem gibt es demnach Geld für die Weiterbildung zum Trauerbegleiter.

«Leider haben immer noch viele Menschen Hemmungen im Umgang mit den Themen Sterben und Tod, für manche ist das Ende des Lebens nach wie vor ein Tabu», sagte Kretschmann. Minister Lucha sagte, dass das Land deshalb die «Sorgekultur für Menschen am Lebensende» verbessern wolle. «Von null auf 1,3 Millionen Euro - das halte ich für einen enormen Schub», sagte er.

Schwerstkranke und Sterbende sollten so die Möglichkeit haben, ihr Lebensende in Würde zu verbringen. Lucha sagte, dass Pflegeheime zunehmend zu Orten des Sterbens würden. Auch in der Altenpflegeausbildung spiele das Thema bisher eine untergeordnete Rolle. Deshalb brauche es dort qualifiziertes Personal. Der Aktionsplan solle deshalb dazu dienen, die Pflegeeinrichtungen im Umgang mit Tod und Sterben zu stärken.

Nach Darstellung des Ministeriums unterstützen rund 8000 Ehrenamtliche im Land Menschen in schmerzlichen Momenten des Abschiednehmens. Es gehe darum, die Trauernden zu stabilisieren und zum Beispiel auch vor Krankheiten wie Depressionen zu schützen. Nach Behördenangaben gibt es etwa 5200 Trauerbegleitungen und rund 11.500 Sterbebegleitungen pro Jahr.

Die CDU-Landtagsfraktion, Regierungspartner der Grünen, lobte den Aktionsplan. «Wir halten es insbesondere für erfreulich, dass das Investitionsprogramm für stationäre Hospize so großen Raum einnimmt», sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef Stefan Teufel. «Rückblickend bestätigt uns das in unserer vom Sozialministerium zunächst nur zögerlich begleiteten Initiative, entsprechende Fördermittel in den Landeshaushalt aufzunehmen», sagte er als Vorsitzender des Arbeitskreises Soziales und Integration seiner Fraktion.