Betriebsärzte impfen
"Lassen Sie sich impfen, schützen Sie sich und andere, übernehmen Sie Verantwortung. Es ist ihre Entscheidung", sagt Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha. 

Land will rasche Klarheit über Start der Auffrischimpfungen

Stuttgart. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) macht Druck bei den Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus. "Ich werde am Montag auf der Gesundheitsministerkonferenz fordern, dass wir mit den Auffrischimpfungen ab dem 1. September beginnen", sagte Lucha am Freitag in Stuttgart. Die vierte Welle rolle an und gleichzeitig gebe es freie Kapazitäten in den Impfzentren, die man nutzen müsse.

Zugleich forderte der Grünen-Politiker die Ständige Impfkommission (Stiko) dringend zu einer Empfehlung auf, mit welchen Gruppen man starten könne. "Wir denken hier vor allem an die über 70-Jährigen und die Vorerkrankten, die gleich zu Beginn der Impfkampagne ihre erste Impfung erhalten haben." Ein Sprecherin von Lucha sagte ergänzend, die Schutzdauer nach vollständiger Impfung scheine dabei sowohl vom Alter als auch vom Zustand des Immunsystems abhängig zu sein.

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Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert den Druck auf die Stiko scharf. «Das ist ein Spiel mit dem Feuer», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der dpa. Luchas Forderung werde die Impfgegner stärken in ihrer Behauptung, es gehe weniger um Chancen und wissenschaftlich-methodische Entscheidungen als vielmehr um politischen Willen. "Wir torpedieren damit die Unabhängigkeit des Gremiums", sagte Brysch. Er forderte die Stiko auf, robust zu sein gegen das politische Drängen.

Bei der dann dritten Impfung der Betroffenen sollen die Impfzentren nur bis Ende September eine Rolle spielen. Einen Betrieb darüber hinaus mit angepasster Kapazität strebe Baden-Württemberg aktuell eher nicht an. Eine Variante, die vom Land aktuell bevorzugt werde, sei die Übernahme der Auffrischimpfungen durch die niedergelassenen Ärzte mit Unterstützung von mobilen Impfteams für bestimmte Personengruppen.

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Unterdessen plant Baden-Württemberg, Restbestände des Astrazeneca-Impfstoffs an den Bund abzugeben. Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mitteilte, geht es dabei um 450.000 Dosen des Impfstoffs. Weitere 4000 Dosen Astrazeneca sollen entsorgt werden, weil sie Ende Juli ablaufen. Wie es aus dem Gesundheitsministerium dazu weiterhin hieß, steht das Land grundsätzlich in engem Austausch mit den Impfzentren des Landes, um zu vermeiden, dass der vorhandene Stoff verfällt.

Bislang habe das Land noch keinen Impfstoff abgegeben, teilte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Entscheidung nun hänge mit der deutlich gesunkenen Nachfrage zusammen. Diese Entwicklung sei zunächst beim Impfstoff von Astrazeneca festgestellt worden. Neben diesem Impfstoff könnten dem Ministeriumssprecher zufolge in den kommenden Monaten weitere Dosen an den Bund zurückgegeben werden, die womöglich von anderen Herstellern stammen. Konkrete Angaben konnte der Sprecher zunächst noch nicht machen. Entsprechende Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen.

"Lassen Sie sich impfen, schützen Sie sich und andere, übernehmen Sie Verantwortung. Es ist ihre Entscheidung."

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha

Am Freitag stellte das Impfzentrum in der Stuttgarter Liederhalle regulär seine Arbeit ein. Hier hatte Ende Dezember 2020 die Impfkampagne des Landes begonnen. Es wurden insgesamt über 520.000 Spritzen verabreicht, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die letzte Impfung bekam eine Personalreferentin aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Lucha appellierte an die ungeimpften Menschen in Baden-Württemberg: "Lassen Sie sich impfen, schützen Sie sich und andere, übernehmen Sie Verantwortung. Es ist ihre Entscheidung."

Klinikum sagt Unterstützung zu

Der Vorstand des Klinikum Stuttgarts, Jan Steffen Jürgensen, sagte weitere Unterstützung für den Fall zu, dass der Bedarf an Impfungen die Kapazität der Praxen und Betriebsärzte übersteigen sollte: "Wir stehen bereit, auch kurzfristig eine sehr hohe Zahl an Impfungen mit den über 1000 Ärzten und Ärztinnen des Klinikums zu übernehmen, wenn dies erforderlich werden sollte."