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Bisher konnten nur in Berlin die Corona-Mutationen diagnostiziert werden, seit Mittwoch kann das auch das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg. 

Landesgesundheitsamt kann nun Corona-Mutationen selbst nachweisen

Stuttgart. Das Landesgesundheitsamt kann ab sofort gezielt die zuerst in Großbritannien und Südafrika aufgetretenen Mutanten des Coronavirus nachweisen. Das gab das baden-württembergische Ministerium für Soziales und Integration am Mittwoch in einer Pressemittielung bekannt. Damit könne bei entsprechenden Verdachtsfällen in Baden-Württemberg sehr schnell reagiert werden, heißte es in der Mitteilung. Bislang mussten entsprechende Proben von Verdachtsfällen noch an das Konsiliarlabor für Coronaviren an die Charité Berlin geschickt werden. Auch an den Universitätskliniken sollen nun zusätzliche Kapazitäten für die sogenannte Sequenzierung geschaffen werden.

Darüber hinaus werde derzeit die Methodik zur Untersuchung des kompletten Coronavirus-Genoms im Labor des Landesgesundheitsamts mit Nachdruck vorangetrieben. So können zukünftig auch bislang unbekannte Virus-Mutationen nachgewiesen werden. Durch die systematische Untersuchung von Proben auf Veränderungen des Virus könnten Mutanten, die ein besonderes Risiko beispielsweise im Hinblick auf die Übertragbarkeit oder Krankheitsschwere bergen, rasch erkannt und gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Baden-Württemberg werde sich dafür einsetzen, dass ein umfassendes Überwachungssystem auch bundesweit etabliert wird, heißt es in der Pressemitteilung.

Baden-Württemberg

Erstmals Südafrika-Variante des Coronavirus in Deutschland entdeckt

 „Als eines der ersten Bundesländer schafft Baden-Württemberg die Voraussetzungen, Virus-Mutationen direkt in seinen Landes-Laboren nachzuweisen. Denn die Lage ist außerordentlich ernst. Dass die Mutationen jetzt auch bei uns auftreten, besorgt mich sehr. Gerade in der jetzigen Situation ist es deshalb wichtig, Infektionsfälle schnell und präzise zu identifizieren. Auch über weitere, noch schärfere Schutzmaßnahmen werden wir nachdenken müssen“, so Gesundheitsminister Manne Lucha.

Auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer freut sich, das die Corona-Mutationen nun vom Landesgsundheitsamt festgestellt werden können: „Verlässlich, schnell und möglichst flächendeckend mehr zu wissen über die Virusmutante ist elementar wichtig, um seine Verbreitung eindämmen zu können. Unsere Universitätsmedizin ist hier wissenschaftlich hervorragend aufgestellt, die Universitätskliniken des Landes helfen umgehend mit. Das Land wird für die Ausweitung der Sequenzier-Kapazitäten noch zusätzliche Unterstützung geben. Gerade in der Bekämpfung der Pandemie müssen sich Forschung und Krankenversorgung besonders eng austauschen. Forschungsergebnisse müssen sofort in neue Therapien und auch in die epidemiologische Lagebeurteilung einfließen.“ 

Kein Hinweis auf schwerern Verlauf

Die erstmals in Großbritannien im September 2020 identifizierte neue Virusvariante von SARS-CoV-2 mit der Bezeichnung B.1.1.7 weist mehrere Mutationen im Genom des Virus auf. Die Mutationen liegen hauptsächlich im Bereich des Genoms, das die Information für das sogenannte Spike-Protein enthält. Das Protein ermöglicht dem Virus in menschliche Zellen einzudringen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Variante B.1.1.7 deutlich ansteckender als das ursprüngliche Coronavirus. Es gibt aber nach aktueller Datenlage bislang keine Hinweise, dass die Varianten aus Großbritannien oder Südafrika schwerere oder andere Verläufe auslösen oder die typischen Symptome einer Infektion beeinflussen.

In Baden-Württemberg trat die Virusmutante aus Großbritanien erstmals am 24. Dezember 2020 auf. Am 11. Januar 2021 wurde bei einer Familie, die am 13. Dezember 2020 aus Südafrika nach Baden-Württemberg eingereist war, die zweite mutierte Variante nachgewiesen.

Mutationen sind bei Viren ein üblicher Vorgang und beeinflussen beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Normalerweise ist der menschliche Körper selbst in der Lage, sich gegen Viren zu schützen. Der Körper produziert Antikörper, die ihn immun gegen einen Krankheitserreger machen. Wenn der Erreger allerdings bereits mutiert ist und die gebildeten Antikörper auf eine ältere Version des Krankheitserregers programmiert sind, dann sind diese Antikörper deutlich weniger wirksam