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03.09.2015

Lange Dürre und Hitze stresst die Wälder

Stuttgart. Der trockene und heiße Sommer hat die Wälder in Baden-Württemberg in Mitleidenschaft gezogen. Es gebe Schäden, aber die Ausmaße seien noch nicht klar erkennbar, sagte Thomas Deines vom Landesbetrieb Forst. Vor allem an Waldrändern, Hängen und auf Hügelkuppen zeigten die Bäume Stresssymptome. Ihre Blätter würden braun und das Laub werde frühzeitig abgeworfen. Nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in Baden-Württemberg werden die Schäden erst in den nächsten Jahren deutlich zutage treten.

Zwar sei dieser Sommer nicht ganz so extrem gewesen wie im Jahr 2003, aber auch er habe den Bäumen zugesetzt, sagte Nabu-Waldreferent Johannes Enssle. Ein Blick aus dem Auto oder Zug offenbare: Vielen Bäumen am Waldrand gehe es richtig schlecht. Das Laub sei schon Anfang August so verfärbt gewesen wie sonst erst im Herbst. Es gebe auch Bäume, die komplett vertrocknet seien. Im Wald selbst sei es zwar nicht so schlimm, aber auch dort seien Schäden erkennbar.

Laut Deines sind vor allem Bäume im nördlichen Baden-Württemberg, insbesondere in der Main-Tauber-Region, betroffen. Dort habe die lang anhaltende Dürre Spuren hinterlassen, sagte er. Ein paar Tage Hitze machten einem Baum nichts aus, aber wochenlange Trockenheit und hohe Temperaturen könnten ihm durchaus schaden.

Die Schäden seien relativ schwierig abzuschätzen, sagte Deines. «Abrechnen können wir ganz sicher erst nächstes Jahr.» Es sei gut möglich, dass sich die Wälder in den nächsten Wochen und Monaten wieder erholten. Es sei aber auch denkbar, dass sie durch Krankheiten und Schädlinge weiter geschwächt würden.

Wenn heiße und trockene Sommer häufiger würden, könnten dem Wald künftig massive Probleme drohen, warnte Enssle. Dann könnte es theoretisch so schlimm wie in den 1980er Jahren werden, als saurer Regen erheblichen Schaden anrichtete. Allerdings seien die Ursachen diesmal viel schwieriger zu bekämpfen. Gefahr drohe dem Wald nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch den hohen Stickstoffeintrag aus Verkehr und Landwirtschaft.

Die Forstbetriebe stellten sich zwar auf den Klimawandel ein, es gebe aber auch Rückschläge, sagte Enssle. So habe die Esche lange als Hoffnungsbaum des Klimawandels gegolten, doch nun habe ein Pilz in vielen Teilen Europas das Eschentriebsterben ausgelöst. Solche Geschehnisse würden durch Stress noch begünstigt, der beispielsweise durch Hitze und Trockenheit ausgelöst werde.

Deines sagte, auf den Klimawandel könne die Forstwirtschaft nicht so schnell reagieren wie etwa die Landwirtschaft. Wälder wüchsen sehr langsam und Bäume stünden bis zu 150 Jahre lang. Es bringe auch nichts, jetzt Baumarten zu pflanzen, die mit Hitze besser zurechtkommen. Denn eine südeuropäische Eiche, die mit heißen Temperaturen keine Probleme habe, würde im kalten deutschen Winter absterben.