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Ein Student sitzt in einem Saal des Studentenwerkes in Freiburg und sucht mit Hilfe seines Notebooks nach Wohnungen. In dem Saal sind zahlreiche Betten für Studenten aufgebaut, die noch keine Wohnung für das kommende Wintersemester gefunden haben.
Lange Wartelisten für Studentenzimmer zum Semesterstart © dpa
02.10.2014

Lange Wartelisten für Studentenzimmer zum Semesterstart

Tübingen. Der Andrang auf die Wohnheime an den Universitäten im Südwesten bleibt auch im ersten Jahr nach dem doppelten Abi-Jahrgang ungebrochen. Zum Semesterbeginn sind die Wartelisten in vielen Städten lang.

In TÜBINGEN herrsche beispielsweise seit Mitte September Bewerbungsstopp, sagte Nicole Lang vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim. Landesweit sollen Notunterkünfte und Neubauten Abhilfe schaffen.

Von den 3666 Wohnheimplätzen in Tübingen waren laut Lang für diesen Winter rund ein Drittel zu vergeben. Bewerbungen gab es deutlich mehr, aktuell stünden noch etwa 850 Studenten auf der Warteliste. Als Notunterkünfte sollen ab 1. Oktober wieder Feldbetten in Gemeinschaftsräumen von Wohnheimen bereit stehen.

Insgesamt betreut das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim etwa 5600 Plätze, unter anderem auch in Stuttgart-Hohenheim, Reutlingen und Rottenburg. Begehrt sind all diese Betten: Beispielsweise haben sich in HOHENHEIM zum Wintersemester 1242 Studenten für 446 freie Plätze beworben. In REUTLINGEN soll bis zum Sommer 2016 eine neue Wohnanlage mit 155 Plätzen entstehen.

Ähnlich sieht es in HEIDELBERG aus. Die Wohnheime seien bis auf wenige Restplätze belegt, teilte Nora Gottbrath vom Studierendenwerk mit. Notunterkünfte mit Feldbetten würden auch in diesem Wintersemester geöffnet. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Bewerbungen mit rund 4300 nicht übermäßig gestiegen.

Konstant hoch ist die Bewerberzahl für Wohnheimplätze in STUTTGART. Das Studierendenwerk biete derzeit 6698 Plätze an, sagte eine Sprecherin. Auf der Warteliste stünden rund 1850 Studenten, Notunterkünfte gebe es keine. Allerdings soll langfristig mehr Platz geschaffen werden: Zum Sommer 2016 soll in Esslingen ein weiteres Gebäude mit 130 Plätzen eröffnen, in Stuttgart würden 350 Plätze gebaut. Gegen die aktuelle Wohnungsnot vermittele das Werk auf seiner Webseite zudem private Zimmerangebote.

Freie Zimmer an Studenten - die Idee gibt es auch in KONSTANZ. Vor zwei Jahren ging der Uni-Rektor in der Stadt am Bodensee selbst mit gutem Beispiel voran und bot sein Gästezimmer für Studierende an. Auch in diesem Jahr haben Uni und Hochschule dazu aufgerufen, freie Zimmer oder Ferienwohnungen zur Verfügung zu stellen. Das Vergabeverfahren für die 2352 Wohnheimplätze sei kurz vor Semesterbeginn abgeschlossen, sagte die Sprecherin der Universität Konstanz, Julia Wandt. Rund 550 Bewerber erhielten eine Absage. Für Notfälle stünden 10 Plätze in Gästezimmern der Sporthalle bereit - diese seien aber noch nie genutzt worden.

Das gilt auch in ULM: Notunterkünfte seien von den Studenten im Vorjahr kaum genutzt worden, sagte eine Sprecherin des Studierendenwerkes. Pendeln sei beliebter. In diesem Jahr werde deshalb eine Art Couchsurfing für Wohnungssuchende angeboten, bei dem Neuankömmlinge übergangsweise auf studentischen Sofas einen Schlafplatz finden. Insgesamt gibt es in Ulm etwa 1500 Wohnheimplätze, zum Semesterstart seinen diese immer belegt. Momentan warten noch etwa 500 junge Menschen. «Die stehen aber nicht alle zum Start mit dem Rucksack auf dem Rücken da», sagte der Bereichsleiter Studentisches Wohnen, Dirk Rettweiler. Viele würden sich an mehreren Unis bewerben, im Markt sei noch Bewegung.

«Entspannter» - so wird die Wohnsituation vom Studierendenwerk FREIBURG eingeschätzt. 179 Wohnheimplätze kommen in der Unistadt zum 1. Oktober in diesem Jahr neu hinzu, insgesamt stellt das Werk rund 3700 Plätze zur Verfügung. Im kommenden Jahr sollen noch einmal 160 folgen. Für die zum Wintersemester frei werdenden 600 Betten gab es laut des Studierendenwerkes etwa 2400 Bewerber, aber weniger als im Vorjahr. Für den Notfall könnten Studenten ähnlich wie in Tübingen oder Heidelberg auf 60 Feldbetten in einem Wohnheim Unterschlupf finden.

In KARLSRUHE hat zur Zeit «nur jeder Dritte oder Vierte das Glück, irgendwo einziehen zu können», sagte der Sprecher des Studierendenwerkes, Thomas Mosthaf. Im Vergleich zum doppelten Abi-Jahrgang entwickle sich die Situation allerdings etwas besser. Über Wohnzimmerbörsen oder das Projekt Wohnpartnerschaften - bei dem Studenten älteren oder alleinstehenden Menschen helfen und dafür wohnen dürfen - soll der Platzmangel behoben werden.

Jährlich hat das Studierendenwerk in Karlsruhe etwa 1000 Plätze frei, dem stehen jedoch 3000 bis 4000 Bewerber gegenüber. Das große Problem sei, dass im Oktober zu viele Studienanfänger in zu kurzer Zeit kämen, sagte Mosthaf.

Mit Blick auf die angespannte Wohnsituation zum Semesterstart forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein Sofortprogramm für Studierende im Südwesten. Zu einer guten Ausbildung gehöre auch die Chance, ein bezahlbares Zimmer zu finden, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Nötig seien mehr Engagement von Land und Kommunen und höhere Zuschüsse für die Studierendenwerke.