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Wegen Mordes an zwei Frauen und der brutalen Vergewaltigung von zwei weiteren muss ein 33-Jähriger aus Konstanz lebenslang ins Gefängnis. Die Opfer hätten ein «unbeschreibliches Martyrium» erlitten, sagte der Richter.
Lebenslange Haft nach Mord an zwei Frauen © Symbolbild: dpa
16.01.2014

Lebenslange Haft nach Mord an zwei Frauen

Konstanz. Zwei Frauen getötet, zwei weitere über Stunden hinweg brutal vergewaltigt: Das Landgericht Konstanz hat am Donnerstag einen 33-Jährigen unter anderem wegen Mordes, Vergewaltigung, schwerer körperlicher Misshandlung und gefährlicher Körperverletzung zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann vor zwei Jahren seine Nachbarin mit einer Plastiktüte erstickt und seine Freundin in der Badewanne ertränkt hatte. Zudem habe er zwei andere Opfer über Stunden hinweg vergewaltigt, bedroht und misshandelt.

Nach Schilderung des Gerichts hatte der 33-Jährige seine 70 Jahre alte Nachbarin im Januar 2012 überwältigt und mit einer Plastiktüte erstickt. Anschließend schleifte er die Frau über den Flur in ihre Wohnung und legte sie ins Bett, wo sie wenige Tage später gefunden wurde. Da die 70-Jährige schwer krank gewesen war, war man zunächst von einem natürlichen Tod ausgegangen.

Im Juli desselben Jahres habe der Beschuldigte dann den Kopf seiner 50 Jahre alte Freundin nach einem Streit so lange in der Badewanne unter Wasser gedrückt, bis sie ertrank. Das Motiv in beiden Fällen: «Die Frauen waren ihm lästig, sie haben ihn genervt, sie mussten weg», sagte der Richter.

Ein halbes Jahr später habe er dann seine neue Freundin und eine Bekannte über Stunden hinweg brutal vergewaltigt, misshandelt und bedroht. Die Opfer hätten die ganze Nacht lang «ein unbeschreibliches Martyrium» erlitten, sie hätten Todesangst gehabt. Bei den Fällen handle es sich um «mehrfache Vergewaltigung der schlimmsten Sorte», sagte der Richter. Erst in den frühen Morgenstunden gelang einer der beiden Frauen die Flucht über ein Badezimmerfenster.

So kamen auch die Morde - eher zufällig - ans Licht: Der 33-Jährige wurde laut Gericht wegen der Vergewaltigungsvorwürfe vernommen und hatte dabei unaufgefordert auch die vorherige Tötung der beiden Frauen gestanden. Zwar widerrief er die Aussage später - zum Prozess kam es trotzdem. Das Geständnis sei maßgeblich für das Urteil gewesen, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag in seiner Begründung. «Wir gehen davon aus, dass es richtig war.»

Der Mann habe zudem über Wissen verfügt, das nur der Täter haben könne. Außerdem seien die Zeugenaussagen der Vergewaltigungsopfer so glaubwürdig und durch Beweise belegt gewesen, dass daran keine Zweifel bestünden. «Uns ist es selten so leicht gefallen, Zeugen zu glauben», sagte der Richter.

 

Bei dem 33-Jährigen liege eine Persönlichkeitsstörung vor, er sei labil und habe ein narzisstisches Wesen, sagte der Richter. Bei seinen Taten sei er sehr planvoll und überlegt vorgegangen. «Wir gehen von der vollen Schuldfähigkeit des Angeklagten aus.» Das Gericht sah auch die Mordmerkmale der Heimtücke und der niederen Beweggründe erfüllt. Zudem stellten die Richter eine besondere Schwere der Schuld fest.

Diese kann vorliegen, wenn es mehrere Opfer gibt oder die Tat sehr verwerflich ist. Auch Umstände wie besondere Brutalität, grausame und qualvolle Behandlung eines Opfers oder die Intensität seines Leidens können zu dieser Bewertung führen. Liegt eine besondere Schwere der Schuld vor, kann der Verurteilte auch bei guter Führung nicht nach 15 Jahren entlassen werden. Das Vollstreckungsgericht überprüft aber regelmäßig, ob die Schuld gesühnt ist und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.