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Eng geht es zu in vielen baden-württembergischen Klassenzimmern. Der Lehrerverband fordert wie schon seit Jahren kleinere Klassen.
Eng geht es zu in vielen baden-württembergischen Klassenzimmern. Der Lehrerverband fordert wie schon seit Jahren kleinere Klassen. © dpa
01.09.2011

Lehrerverband: Klassen müssen noch kleiner werden

STUTTGART. Die grün-rote Landesregierung darf nach Ansicht der Lehrergewerkschaft GEW bei der Verkleinerung der Klassen nicht nachlassen. «Das Kultusministerium hat angedeutet, dass die Ankündigung der alten Landesregierung, den Klassenteiler auf 28 Schüler abzusenken, nicht eingehalten werden soll», kritisierte die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz.

«Individualisiertes Lernen ist in Großklassen nicht möglich. 25 Kinder in einer Klasse sind genug», sagte Moritz der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Ministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) hält den Plan der schwarz-gelben Vorgängerregierung, den sogenannten Klassenteiler auf 28 Schüler zu reduzieren, für nicht finanziert. Demnach würde ab dem Schuljahr 2013/14 eine Klasse geteilt, sobald sie mehr als 28 Schüler hat. Die grün-rote Koalition verzichte auf eine weitere Absenkung, weil sie die gewünschte Förderung eines jeden Schülers nicht voranbringe, berichtete Moritz. «Den Eltern ist das versprochen worden. Die interessiert nicht, wie das finanziert wird.» Schließlich wolle Grün-Rot mehr Geld für Bildung ausgeben.

Im kommenden Schuljahr ist in allen weiterführenden Schulen eine maximale Größe von 30 statt wie bisher 31 erlaubt. Die Klassengröße von 28 Schülern ist an den Grundschulen bereits erreicht.

Nach Angaben von Moritz werden von den 1080 (Vorjahr: 1660) neuen Lehrern für Grund-, Haupt- und Werkrealschulen im kommenden Schuljahr 55 für die Verringerung des Klassenteilers eingesetzt. Bei den Realschulen sind es 350 der 810 Neueinstellungen. An die Gymnasien kommen 950 (Vorjahr: 1594) neue Lehrer; darunter sind 240 Stellen zur Absenkung des Klassenteilers.

Die jungen Pädagogen hatten nach ihrem Referendariat in diesem Jahr besonders schlechte Chancen, in den Schuldienst zu gelangen. Insgesamt bewarben sich 9513 fertige Pädagogen, von denen nur 4160 im September vor der Klasse stehen werden. Damit kamen nur knapp 44 Prozent (Vorjahr: 54 Prozent) der Bewerber zum Zuge. Moritz erinnerte an den großen Lehrerbedarf in anderen Bundesländern: «Da werden sehr viele abwandern.» Grün-Rot brauche aber die gut ausgebildeten Lehrer, um die vereinbarten bildungspolitischen Ziele zu erreichen.

Das Problem der großen Klassen betrifft vor allem Realschulen und Gymnasien. In fast jeder zweiten Realschulklasse wurden 28 Jugendliche oder mehr unterrichtet (Schuljahr 2009/10). In mehr als der Hälfte der Gymnasialklassen stand der Lehrer vor 28 Schüler und mehr. Nach weiteren Angaben des Statistischen Landesamtes drückten in 42 Prozent der Realschulklassen 23 bis 27 Schüler die Schulbänke, in den Gymnasien (ohne Kursstufe) bot sich dieses Bild in 36 Prozent der Klassen.

Die Vorgabe des Kultusministeriums von damals maximal 32 Schülern wurde in etlichen Fällen nicht beachtet. So wurden rund 350 Gymnasialklassen mit 33 und mehr Schülern gezählt. In den Hauptschulen hingegen stellt sich das Problem kaum: In drei Viertel aller Klassen dieser Schulart saßen nicht mehr als 22 Schüler. In einem Fünftel wurden zwischen 23 und 27 Schüler unterrichtet. Lediglich jede 24. Klasse hatte mehr als 27 Schüler. dpa