nach oben
Uwe Benkel, Organisator der Ausgrabungsaktion, mit Überresten des Jagdbombers.  Das Flugzeug war am 14. Februar 1945 am Rande von Ottersweier abgestürzt. Foto: dpa
Uwe Benkel, Organisator der Ausgrabungsaktion, mit Überresten des Jagdbombers. Das Flugzeug war am 14. Februar 1945 am Rande von Ottersweier abgestürzt. Foto: dpa
Salut dem 1945 abgestürzten Piloten Antoine Allard aus Paris.  Foto: dpa
Salut dem 1945 abgestürzten Piloten Antoine Allard aus Paris. Foto: dpa
09.08.2015

Letzte Ehre nach 70 Jahren: Kriegsflugzeug ausgegraben

Ganz vorsichtig, fast chirurgisch arbeitet sich die große Baggerschaufel in den harten Lehmboden. Erst kommen winzige Bruchstücke zutage, dann tauchen ein Teil der Tragfläche, ein Federbein und schließlich ein völlig verbogener Propellerflügel auf. Unermüdlich tragen Helfer am Samstag die Fundstücke des amerikanischen Jagdbombers Thunderbolt P47 zusammen, der sich am 14. Februar 1945 am Rande des badischen Ortes Ottersweier in den Boden gerammt hat. An Bord starb damals der 25 Jahre alte französische Pilot Antoine Allard aus Paris.

Der 77 Jahre alte Werner Doll steht am Rande der Grube und beobachtet die Arbeiten, die zahlreiche Anwohner angelockt haben. Als Siebenjähriger habe er den Absturz beobachtet. Zwei Maschinen seien vom Schwarzwald ins Tal geflogen und kollidiert. Kurz nach dem Einschlag seien sie auf den Läufelsberg gerannt und hätten den Krater und die rauchenden Trümmer aus nächster Nähe gesehen. „Ein ganz eigentümlicher Geruch war das“, erzählt Doll, der heute noch in der Nähe wohnt. Er kommt oft hier oben vorbei, wo ein Gedenkstein an Allard erinnert. „Ich spreche jedes Mal ein paar Worte zu ihm“, sagt der 77-Jährige und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Er ist mein Anwalt im Himmel.“

Keine sterblichen Überreste

Ein Mann aus dem Nachbarort Lauf steht an dem rot-weißen Flatterband, mit dem die Polizei die bis dahin etwa vier Meter tiefe Grube gesichert hat, und sagt, er finde das gut. „Warum soll man Zeitzeugen vergessen?“ Der Bürgermeister von Ottersweier, Jürgen Pfetzer, würdigt den Einsatz der freiwilligen Helfer um Organisator Uwe Benkel.

Das Bergungsteam hatte gehofft, Knochenreste zu finden, damit Allard nach 70 Jahren noch ein würdevolles Begräbnis erhalten kann. Doch außer ein paar Bekleidungsfetzen und verbrannter Erde ist bis zum Abend zwischen den Trümmerteilen, die in bis zu sieben Metern Tiefe liegen, nichts zu finden. „Es kann sein, dass er total verbrannt ist“, sagt Benkel.

Plötzlich wird es ganz still auf dem Hügel inmitten von Apfel- und Zwetschgenbäumen. Eine Abordnung der französischen Luftwaffe und deutsche Reservisten nehmen Aufstellung, eine französische Nationalflagge und ein Blumengesteck zieren den Lehmhaufen. Alle Helfer schauen gebannt gen Himmel. Erst hört man ein Brummen, dann taucht pfeilschnell eine Mustang P51 am Himmel auf. Dreimal zieht sie in niedriger Höhe über die improvisierte Szene hinweg, beim letzten Anflug wackelt die Propellermaschine mit den Flügeln – eine späte Ehrenbezeugung für Allard.