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In diesem Haus in Leutkirch möchte die Piusbruderschaft eine Schule unterbringen. In der Bevölkerung aber regt sich Widerstand. Foto: dpa
piusbruderschaft © dpa
24.08.2011

Leutkirch diskutiert über Piusbrüder-Schule

LEUTKIRCH. Die ultrakonservative Piusbruderschaft will in Leutkirch (Kreis Ravensburg) eine Grundschule eröffnen. Nun hagelt es Proteste von allen Seiten. Viele Bürger der 22 000-Einwohner-Stadt sind entrüstet.

Die kleine Grundschule St. Aloysius soll aus dem Dorf Haslach, einem Ortsteil von Rot an der Rot (Kreis Biberach), nach Leutkirch ziehen und sich etwas vergrößern. «Bisher hatten wir 14 Schüler, zum neuen Schuljahr sind 15 angemeldet», sagt Pater Andreas Steiner, Pressesprecher der Bruderschaft. Die erzkatholische Gruppierung möchte ein Wohngebäude am Stadtrand umnutzen, direkt an einer vielbefahrenen Straße. Es steht schon seit Jahren leer.

«Es sieht so aus, als ob der Bauantrag genehmigungspflichtig ist», sagt der Leiter des örtlichen Baurechtsamts, Roland Wagner. Ein Antrag ist eingangen. Aber willkommen sind die Piusbrüder nicht, macht Bürgermeister Hans-Jörg Henle (parteilos) deutlich: «Die passen nicht zu unserer offenen Stadt. Die christlichen Konfessionen haben ein gutes Verhältnis, der Kontakt zu den Muslimen ist ebenfalls gut.»

In der Geschichte des Ortes spiele die Religion eine wichtige Rolle, sagt Henle. Zwei Bürger der Stadt seien Bischöfe von Rottenburg-Stuttgart gewesen «und standen hinter dem 2. Vatikanischen Konzil». Das ist als Seitenhieb gegen die Bruderschaft zu verstehen, die gegen viele Neuerungen in der katholischen Kirche war und ist.

Ein weiteres Argument gegen die Piusbrüder: Inge Aicher-Scholl, Schwester der NS-Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl, lebte lange mit ihrem Mann, dem Designer Otl Aicher, im Ortsteil Rotis. Da sei es absolut unpassend, wenn die Piusbrüder, die den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson in ihren Reihen haben, eine Schule im Ort unterhielten, meinen viele Bürger.

Einer jungen Leutkircherin ist es zu viel - sie macht mit einer Facebookseite gegen die geplante Schule mobil. Kaum online, hatte sie schon mehrere hundert Unterstützer. In einem Online-Forum der «Schwäbischen Zeitung» wird heftig über das Projekt diskutiert. Dort gibt es auch lobende Worte über Schulen der Bruderschaft: «Natürlich gibt es auch bei den Piusbrüdern mal menschliche Fehltritte - aber das liegt in der menschlichen Natur - das kennen wir doch alle auch aus der Wirtschaft, der Politik - aus unserem eigenen Umfeld», schreibt dort jemand anonym.

Aktiv geworden ist auch die örtliche Junge Union (JU). Sie sammelt Unterschriften gegen das Projekt und will auf den Vermieter einwirken. «Die meisten Menschen in Leutkirch sind gegen die Schule, auch die zukünftigen Nachbarn», erklärt Markus Posch, Geschäftsführer des JU-Ortsverbandes Leutkirch-Aichstetten.

Die Piusbrüder wollen nun das Gespräch mit den Bürgern in Leutkirch suchen. «Viele kennen uns nur aus den Medien. Dort wird oft ein sehr einseitiges Bild vermittelt», meint Pater Steiner. In Haslach hat es jedenfalls keine Probleme mit der Priesterbruderschaft gegeben. Die staatlich anerkannte Schule habe sich dort «zurückgezogen und unauffällig» verhalten, erklärt Bürgermeister Robert Balle. dpa