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Volker Rohm, Bürgermeister der Stadt Hardheim, ist wegen eines Leitfadens mit Benimmregeln für Flüchtlinge in die Kritik geraten.
Volker Rohm, Bürgermeister der Stadt Hardheim © dpa
08.10.2015

"Liebe fremde Frau!" Benimmregeln für Flüchtlinge spalten Gemüter

Der Alltag in der kleinen Gemeinde Hardheim im Neckar-Odenwald-Kreis ist aus den Fugen geraten. Ob vor dem Supermarkt, auf den Straßen oder am Fußballplatz, überall prägen fremde Gesichter das Alltagsbild. Seitdem die beschauliche 4600-Seelen-Gemeinde 1000 Flüchtlinge aufgenommen hat, ist nichts mehr wie vorher. Für Bürgermeister Volker Rohm (Freie Wähler) war das ein Grund, einen Verhaltenskodex an die Asylbewerber zu verteilen. Der Knigge für die Flüchtlinge spaltet die Gemüter.

«Liebe fremde Frau! Lieber fremder Mann!», beginnt das Schreiben, über das die Flüchtlinge laut Gemeinde in verschiedenen Landessprachen informiert wurden. «Viele von Ihnen haben Schreckliches durchgemacht. Krieg, Lebensgefahr, eine gefährliche Flucht durch die halbe Welt», heißt es zunächst noch einfühlsam.

Doch rasch ändert sich der Ton, es folgen banale Belehrungen: «Deutschland ist ein sauberes Land und das soll es bleiben!», heißt es etwa. Und wenn man öffentliche Toiletten benutze, «ist es hier zu Lande üblich, diese sauber zu hinterlassen». Weiter geht es darum, Ware im Supermarkt zu zahlen, bevor man sie aufmacht. Oder nach 22 Uhr die Nachtruhe zu respektieren und «die Notdurft» nicht in Gärten und Parks zu verrichten.

Die Hardheimer Benimmregeln sorgen deutschlandweit für Schlagzeilen. Am Donnerstagvormittag brach die Internetseite der Gemeinde zusammen, das Telefon im Rathaus stand nicht mehr still. «Flüchtlinge sind Diebe, schmutzig und baggern allesamt Mädchen an - das bleibt nach der Lektüre des Leitfadens», bewertet beispielsweise «Spiegel Online». Bürgermeister Rohm kommt mit Interviews nicht mehr hinterher, kann den Hype nicht verstehen.

Das Gemeindeoberhaupt verteidigt die umstrittenen Benimmregeln. «Der Leitfaden ist nicht als Schikane gedacht, sondern soll das Zusammenleben zwischen Asylbewerbern und Bevölkerung erleichtern», sagte Rohm. «Wir wollen die Asylbewerber damit nicht zu guten Deutschen machen.» Bei den Verhaltensregeln handele es sich um Empfehlungen nach Beschwerden, die überwiegend von Bürgern an das Rathaus rangetragen worden seien.

Zettel zu verteilen, in denen Vorurteile aneinandergereiht werden, trage keineswegs dazu bei, die Ängste der Bürger abzubauen, sagt hingegen die Vorsitzende des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg Angelika von Loeper. «Ich halte das für einen falschen Ansatz und hochproblematisch», sagt sie. «Das nährt meiner Ansicht nach rassistische Tendenzen.» Das baden-württembergische Integrationsministerium wollte sich nicht zu der Sache äußern.

Doch nicht alle teilen die kritische Auffassung: «Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, müssen sie sich an unsere Regeln halten. Hardheim sollte ein Beispiel für ganz Baden-Württemberg sein», sagt der Bundestagsabgeordnete und Bezirksvorsitzender der CDU Württemberg-Hohenzollern, Thomas Bareiß. «Wir brauchen jetzt klare und unmissverständliche Integrationsregeln, der Vorstoß der Gemeinde Hardheim ist richtig.»

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