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Der Streik der Lokführer wird vielleicht den ein oder anderen Besucher des Cannstatter Wasen überraschen, denn ab 21 Uhr dürfte es schwierig werden, mit Zug und S-Bahn den Heimweg anzutreten. Auch nach Streikende num 6 Uhr am Mittwoch wird das Fahrplanchaos noch eine Weile andauern.
Der Streik der Lokführer wird vielleicht den ein oder anderen Besucher des Cannstatter Wasen überraschen, denn ab 21 Uhr dürfte es schwierig werden, mit Zug und S-Bahn den Heimweg anzutreten. Auch nach Streikende num 6 Uhr am Mittwoch wird das Fahrplanchaos noch eine Weile andauern. © Symbolbild: dpa
07.10.2014

Lokführer-Streik: Bahnhof Cannstatt zu, Pendler der Region in Not

Der angekündigte, neunstündige und flächendeckende Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführerist seit 6 Uhr beendet. Am Dienstag gab es ab 21 Uhr massive Beeinträchtigungen im gesamten Zugverkehr. So wurde zum Beispiel der Bahnhof Bad Cannstatt aus Sicherheitsgründen bis Betriebsschluss gesperrt. Und mit dem Streikende heute um 6 Uhr ist noch lange nicht Schluss mit dem Fahrplan-Chaos.

Die Bahn empfahl ihren Kunden dringend, die Heimreise so zu planen, dass der Zielbahnhof bis 21 Uhr erreichbar war. Wegen der Streikmaßnahmen konnte kein verlässlicher Bahnfahrplan garantiert werden. Das galt insbesondere auch für die Rückreise vom Cannstatter Volksfest. Um eine Überfüllung der Bahnsteige und damit eine mögliche Gefährdung von Reisenden zu vermeiden, wurde der Zugang zum Bahnhof Bad Cannstatt in Abstimmung mit der Polizei und den regionalen Behörden von etwa 21 Uhr bis Betriebsschluss gesperrt.

In Karlsruhe beispielsweise wurde auch der Nahverkehr ausgebremst. Verschiedene Stadtbahnlinien verkehrten nur in größeren Abständen oder verspätet. Die Tramlinien waren laut Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) nicht betroffen.

Viele Pendler waren auf den Streik vorbereitet. Am Stuttgarter Hauptbahnhof blieb das Chaos aus. Rudolf Schäfer wollte ursprünglich den Zug um 4.45 Uhr von Ergenzingen nach Stuttgart-Nordbahnhof nehmen, doch durch den Streik kam er erst ab 6.00 Uhr los und nun stand er am Hauptbahnhof, ohne Angabe wann sein Zug wieder fahren würde. «Ich hab damit gerechnet, dass ich zu spät kommen werde», sagte er. Viele S-Bahnen fielen am Morgen aus. Thomas Müller wollte mit der S1 nach Böblingen. «Man steht da und kann einfach nichts machen, das nervt.»

Die Folgen der Arbeitsniederlegungen waren auch am Mittwoch nach Streikende um 6 Uhr zu spüren. Es ist mit erheblichen Beeinträchtigungen im morgendlichen Berufsverkehr zu rechnen. Voraussichtlich wird es Auswirkungen bis in die Mittagsstunden geben. Früher aufstehen konnte da nur bedingt etwas nützen, war aber zu empfehlen. Auf jeden Fall soll man sich vor Fahrtantritt über Ausfälle und Verspätungen informieren oder gleich ein alternatives Beförderungsmittel wählen.

Allerdings waren etliche Busse voller als sonst. Und wer das Auto wählte, musste sich auf manchen Strecken auf längere Fahrtzeiten einstellen, denn die Idee, statt der Bahn das Auto zu benutzen, setzten etliche Pendler in die Tat um.

Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 0180 6 99 66 33 (20ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk max. 60ct/Anruf) schaltete die DB ab Dienstag, 18 Uhr eine kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33. Informationen sind mit Streikbeginn auch unter www.bahn.de/aktuell oder unter m.bahn.de abrufbar.

Die GDL hatte ihre Mitglieder aufgerufen, die Arbeit für neun Stunden niederzulegen. Fern- und Regionalzüge standen ebenso still wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft auf, in dem Tarifkonflikt an den Verhandlungstisch zurückzukehren: „Die GDL ist am Zug.“ Das Unternehmen wisse gar nicht, was die GDL von ihm erwarte. „Lass uns doch darüber reden und nicht die Öffentlichkeit verrückt machen“, meinte Weber. „Streiks sind aus unserer Sicht überflüssig, verantwortungslos und ohne jedes Gespür für die derzeitige Situation.“

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky beklagte im Gegenzug, dass die Bahn nicht auf die Forderungen seiner Organisation eingehe: „Man kann an dem Angebot klar die Zielrichtung der DB erkennen. Wir haben seit Monaten inhaltlich null Verhandlungen gehabt. Wir werden hingehalten und das Ziel ist eigentlich, Tarifeinheit herzustellen“, sagte der Gewerkschaftschef.

Die Lokführer fordern unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Verhandlungen darüber scheiterten aus einem anderen Grund: Die GDL will auch für das übrige Personal im Zug verhandeln, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter. Die Bahn lehnt das ab. Die GDL konkurriert dabei mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). In der vergangenen Woche hatten 91 Prozent der GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf votiert.

Zum Zeitraum des Ausstands bemerkte Homburg: „Wir finden es perfide, mit der Streikzeit zu suggerieren, dass man damit verantwortungsvoll umgehen möchte.“ Tatsächlich seien zu Streikbeginn um 21.00 Uhr noch mehr als 200 Fernverkehrszüge sowie mehrere tausend Nahverkehrszüge unterwegs. „Viele werden ihren Zielort nicht erreichen oder nur mit großer Verspätung.“

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