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Einst waren sie Kontrahenten um die CDU-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl. Jetzt kamen sich Landeschef Thomas Strobl (links) und der Fraktionsvorsitzende Guido Wolf wegen der Führung der Sondierungsgespräche mit den Grünen um Ministerpräsident Winfried Kretschmann ins Gehege. Foto: dpa
Einst waren sie Kontrahenten um die CDU-Spitzenkandidatur für die Landtagswahl. Jetzt kamen sich Landeschef Thomas Strobl (links) und der Fraktionsvorsitzende Guido Wolf wegen der Führung der Sondierungsgespräche mit den Grünen um Ministerpräsident Winfried Kretschmann ins Gehege. Foto: dpa
21.03.2016

Machtspiele an CDU-Spitze beigelegt

Vor schwierigen Verhandlungen über eine mögliche Regierungskoalition mit den Grünen will die Führungsspitze der CDU ihre internen Querelen beilegen. CDU-Landesparteichef Thomas Strobl und Fraktionschef Guido Wolf reagierten nach innerparteilicher Kritik am Montag mit einer gemeinsamen Mitteilung. Darin betonten sie, gemeinsam und und geschlossen vorzugehen. Am Wochenende hatte Wolf noch seinen Anspruch bekräftigt, die CDU-Gruppe als Verhandlungsführer zu leiten, und damit Kritik ausgelöst. Strobl reagierte prompt: „Über mögliche Koalitionen verhandeln Parteien“, sagte er der „Welt“. Daraufhin wurden parteintern Forderungen laut, die beiden Spitzenleute müssten als Team auftreten.

Die CDU hatte bei der Landtagswahl einer schwere Schlappe erlitten. Am Dienstag beraten Fraktion und Parteivorstand darüber, ob mit den Grünen über die Bildung einer grün-schwarzen Koalition unter Kretschmann gesprochen werden soll. Der ehemalige Ministerpräsident Günther Oettinger sprach sich für ein solches Bündnis aus: „Bei gutem Willen aller Beteiligten und der Voraussetzung, die Ausgangslage des anderen zu respektieren, sehe ich eine gute Perspektive für diese Koalition“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“.

Strobl und Wolf teilten gestern Nachmittag mit, beim Austausch mit der Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gehe es darum, möglichst viele CDU-Positionen durchzusetzen. „Das geht nur geschlossen, und deshalb müssen die Personaldebatten nun ein Ende haben.“

Aus einer Mitgliederbefragung war Wolf als Frontmann für die Landtagswahl am 13. März hervorgegangen – Strobl unterlag. „Dass Guido Wolf die Fraktion in den Verhandlungen als ihr Vorsitzender vertritt, ist selbstverständlich“, sagte Strobl laut Mitteilung. Die weiteren Gespräche müssten nun gemeinsam von Partei und Fraktion vorangetrieben werden.

Die Frauen Union hatte zuvor noch ein Ende des „typischen Gehackes“ zwischen Männern nach dem Motto „Wer ist der Erste“ gefordert. Ein „wirkliches Team“ müsse in Verhandlungen treten, in denen die CDU-Frauen ein gewichtiges Wort mitreden sollten, sagte Landeschefin Inge Gräßle. Sie gehört gemeinsam mit Generalsekretärin Katrin Schütz der CDU-Delegation an. Das weitere Vorgehen müsse auf eine möglichst breite Basis gestellt werden.

Auch die Junge Union verlangte, bei weiteren Gesprächen mit den Grünen die Parteibasis eng einzubinden, etwa auch in Form einer Abstimmung über den Entwurf eines möglichen grün-schwarzen Koalitionsvertrages. Die Jugendorganisation der CDU sieht die Gesprächsführung klar bei Strobl. JU-Landeschef Nikolas Löbel betonte: „Guido Wolf war Spitzenkandidat bis zum Wahltag um 18 Uhr. Thomas Strobl ist unser gewählter Landesvorsitzender, der eine Kommission führt, der natürlich auch der Fraktionsvorsitzende angehört.“

Ex-Spitzenkandidat Wolf hatte trotz eines Absturzes der CDU um zwölf Punkte auf 27 Prozent eine Regierung unter seiner Führung ins Gespräch gebracht. Auch in der CDU hatten dies viele als Anmaßung kritisiert und ihm Realitätsverlust vorgeworfen. Die Junge Union Nordbaden hatte neben anderen für einen Rücktritt Wolfs plädiert, der am Dienstag vergangener Woche mit 34 Ja- und sieben Nein-Stimmen als Fraktionschef wiedergewählt worden war. Wolf lehnt einen Rückzug ab.