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Spätestens bei der Wahl im März 2011 begann Mappus’ Misere. Er verlor und lag fortan – wie dieses Wahlplakat – sprichwörtlich am Boden.  Foto: PZ-Archiv 

Mappus am Boden, aber nicht von allen verlassen

Er hat sich ganz öffentlich und vor großem Publikum zu der Vielgescholtenen gestellt, als sie in einer ähnlichen Lage war wie er heute. 2011 ist das gewesen, beim Neujahrsempfang der Stadt Pforzheim im CongressCentrum Pforzheim. Es gab nicht viele, die das damals taten und sich freudestrahlend beim Handschlag mit der früheren Pforzheimer Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (FDP) zeigten, aber Mappus, seinerzeit Ministerpräsident des Landes und auf dem Zenit seiner Karriere, hatte erkennbar kein Problem damit.

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Untreue-Ermittlung: Hausdurchsuchung bei Stefan Mappus

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Razzia bei Stefan Mappus: Ermittler suchen Material

Erst Abwahl, dann Ermittlung

Nach der Abwahl. Nach dem Bekanntwerden des Millionenschadens durch ein im Amt getätigtes Geschäft, das ohne diese Abwahl womöglich ganz anders aufgearbeitet worden wäre. Nach der Erkenntnis, dass just dieses verlustreiche Geschäft obendrein unbefugterweise am gewählten Parlament vorbei getätigt worden war.

Razzia bei Stefan Mappus: Wird der Ex-Ministerpräsident wegen Untreue beim EnBW-Deal angeklagt?
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Mit zwei Unterschieden, einem kleinen und einem großen: Gegen Augenstein (und ihre damalige Kämmerin Susanne Weishaar) ermittelt die Staatsanwaltschaft in Folge einer anonymen Anzeige, im Fall Mappus wurde sie in Folge des Rechnungshof-Gutachtens zum EnBW-Deal selbst tätig. Das ist der kleinere Unterschied.

Der größere: Heute würde sich vermutlich kein amtierender Großer der hiesigen oder auch Landespolitik finden, der wie vor anderthalb Jahrem Mappus mit Augenstein freudestrahlend und publikumswirksam auf einer großen Bühne Hände schütteln würde mit dem einstigen Star der Pforzheiumer und der Landes-CDU.

Ganz im Gegenteil, vermutet der Tübinger Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling. Mappus droht nach Wehlings Einschätzung gar ein Parteiausschlussverfahren. „Die CDU wird mit Mappus brechen müssen“, sagt der Tübinger Experte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Wenn die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage erhebe wegen Untreue beim EnBW-Aktiendeal, werde das Thema virulent. „Spätestens bei einer Verurteilung muss die CDU ihn rauschmeißen“, urteilt Wehling. Es sei auch möglich, dass Mappus selbst sich zurückziehe. Denn er werde zur „persona non grata“, mit der selbst die eigenen Parteifreunde nichts zu tun haben wollten. „Die werden ihn schneiden.“

Trost in trauter Runde

Das ist hier und heute eine Fehleinschätzung. Der Erste Bürgermeister Roger Heidt hat den Ex-Ministerpräsidentem am Abend der staatsanwaltschaftlichen Durchsuchung zuhause besucht. „Es war ein privater Besuch, um zu sehen, wie es der Familie geht“, sagt Heidt, der Mappus seit Jahrzehnten aus dem CDU-Landesverband kennt.

Ein Männergespräch unter vier Augen war es nicht – auch die CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Enzkreis, Viktoria Schmid, und ihre Mutter Christine Stavenhagen haben sich an dem Abend bei Mappus eingefunden. Aus der Schule plaudern mag keiner der vier über den Inhalt des Gesprächs. Es lässt sich nur vermuten, dass die Besucher dem Hausherrn ganz schlicht und freundschaftlich in einer schweren Stunde beistehen wollten.

Die Stavenhagens sind mit Mappus in einem langjährigen, familienähnlichen Netzwerk verbunden, dem andererseits auch die Politikerfamilien Schäuble inklusive des Schwiegersohns, des heutigen CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl, und der CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzende Volker Kauder, Patenonkel eines Mappus-Sohns, angehören. Die Stavenhagens haben verinnerlicht, wie das damals war, als der 1992 gestorbene Lutz Stavenhagen im Jahr vor seinem Tod als Kanzleramtsminister zurücktreten musste. Man hält zusammen.