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Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg trafen Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und sein SPD-Herausforderer Nils Schmid erstmals in einem Fernsehduell aufeinander.
Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg trafen Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und sein SPD-Herausforderer Nils Schmid erstmals in einem Fernsehduell aufeinander. © dpa
16.03.2011

Mappus gegen Schmid - Zuschauer für Regierungschef

STUTTGART. Überlagert von der Atomkatastrophe in Japan haben die Spitzenkandidaten von CDU und SPD erstmals und zum einzigen Mal vor der Landtagswahl in einem TV-Duell ihre Positionen ausgetragen. Eine Runde von Journalisten sah anschließend keinen eindeutigen Sieger - es sei ein Duell «auf Augenhöhe» gewesen.

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SPD-Landeschef Nils Schmid machte sich in der live übertragenen und 70 Minuten langen SWR-TV-Debatte für mehr Bürgerbeteiligung, soziale Gerechtigkeit und einen Umbau des Bildungssystems stark. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) konterte am Mittwochabend, die bisherige Politik der CDUFDP-Koalition habe dem Land wirtschaftlich, bei den Arbeitslosenzahlen und beim Bildungserfolg eine bundesweite Spitzenstellung beschert, die nicht gefährdet werden dürfe. 

Großen Raum nahm zu Beginn die Sicherheit der Kernkraft ein: Schmid sagte, von der Risikotechnologie Atom müsse man sich endgültig verabschieden. Er kritisierte, es genüge nicht, nun einzelne deutsche Reaktoren abzuschalten und ein Moratorium für die Laufzeitverlängerung zu erlassen: «Das Moratorium ist keine verlässliche Regelung.» Ohne eine gesetzliche Vorschrift für den Atomausstieg seien Bund und Land abhängig vom Wohlwollen der Atomkonzerne.

Mappus widersprach und verwies auf die Anweisung des Landes vom Mittwochabend, nach der Katastrophe in Japan die Reaktoren Neckarwestheim I und Philippsburg I abzuschalten. Er verteidigte zugleich seinen früheren harten Kurs der Laufzeitverlängerung: «Wir hatten gute Gründe.» Es sei um einen bezahlbaren Strompreis und um Versorgungssicherheit gegangen. Als Fehler wollte er seine frühere Haltung auch nicht gewertet sehen.

Der CDU-Landeschef warf seinerseits den Sozialdemokraten Wankelmut beim Thema Stuttgart 21 vor. So hätten sie das Milliarden-Bahnprojekt mit der Verlegung des Hauptbahnhofs unter die Erde und seiner Anbindung an die Schnellbahntrasse nach Ulm zwar mitgetragen - nun aber wollten sie eine Volksabstimmung, die überdies verfassungswidrig sei.

Schmid entgegnete, der Schlichtung nach den monatelangen Massenprotesten gegen Stuttgart 21 habe «der Schlussakkord» gefehlt. Die Menschen bräuchten nun auch die Möglichkeit, eine Entscheidung in Kenntnis möglicher Kostensteigerungen sowie der finanziellen Folgen eines Ausstiegs zu treffen. Deshalb sei der Volksentscheid notwendig.

Etwas heftiger wurde der Streit um den richtigen Weg in der Bildungspolitik. Mappus warf der SPD vor, sie wolle das erfolgreichste Schulsystem abschaffen und eine Einheitsschule einführen. Schmid hielt dagegen, es gehe darum, dass die Kinder länger gemeinsam lernen und ihr Bildungserfolg nicht mehr so stark von der sozialen Herkunft abhänge.

Testzuschauer werteten an der Universität Hohenheim Mappus als Sieger des TV-Duells. Bei einer Live-Bewertung von 120 Menschen konnte der Landesvater auch mit seinen Haltungen zu klassischen SPD-Themen wie Bildung und Bürgerbeteiligung punkten, fasste Versuchsleiter Frank Brettschneider am Mittwochabend das Duell zusammen. Viele Angriffe des SPD-Herausforderers Nils Schmid seien verpufft.

In der Atom-Debatte konnte Schmid in Teilen punkten, erklärte Brettschneider - aber auch hier sei Mappus nicht so schlecht weggekommen, wie im Vorfeld zu erwarten gewesen wäre. Einzig bei den Themen Leiharbeit und Studiengebühren habe Schmid hohe Zustimmungswerte erhalten.

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