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© dpa
20.12.2010

Mappus und EnBW: Kürzere Reaktorlaufzeiten denkbar

STUTTGART. Mit dem Wiedereinstieg des Landes in die EnBW will Ministerpräsident Mappus auch für ein besseres Image des Unternehmens sorgen. Erneuerbare Energien werden ausgebaut - das Etikett des strammen Atomkonzerns soll verblassen. Auch kürzere Reaktorlaufzeiten seien laut Mappus denkbar.

Ein stärkerer Einsatz erneuerbarer Energien könnte in Baden-Württemberg nach den Worten von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) dabei helfen, die Laufzeit einzelner Atomreaktoren zu verkürzen. Die verlängerten Laufzeiten müssten nicht voll ausgeschöpft werden, sagte der Regierungschef in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. «Das muss nicht bis zum letzten Punkt ausgereizt werden, denn die Verlängerung ist ja kein Selbstzweck. Wichtig ist, dass Strom für private Haushalte und Betriebe jederzeit verfügbar und bezahlbar ist», erklärte Mappus. Nach seinem Wiedereinstieg bei der Energie Baden-Württemberg (EnBW) will das Land die Nutzung regenerativer Energiequellen vorantreiben.

Nach dem Beschluss des Bundestages vom 28. Oktober dürfen auch die beiden älteren Atomkraftwerke im Südwesten länger Strom erzeugen - Neckarwestheim I bis 2019 und Philippsburg I bis 2020. Mappus betonte, je schneller sich die Stromproduktion aus Sonnen-, Wasser- und Windenergie sowie aus Biomasse rentiere, desto eher werde der Ausstieg aus der Kernkraft möglich. «Ich wäre der Letzte, der dann sagen würde: Ich bin aber überzeugter Kernkraftanhänger, und die Reaktoren müssen bis zum letztmöglichen Tag am Netz bleiben.»

Er rechne damit, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie die Preise für deren Nutzung sinken lasse und sie damit konkurrenzfähig mache. Der Karlsruher Energiekonzern könne mit diesem Kurs auch sein Ansehen verbessern: «Ich finde, dass das Image der EnBW deutlich schlechter ist als die Arbeit, die dort geleistet wird. Die EnBW ist ein gutes und sehr solides Unternehmen.»

Mappus bekräftigte, dass sich das Land trotz seiner jüngst erworbenen 45-Prozent-Beteiligung nicht in das operative Geschäft der EnBW einmischen werde. Aber auf die strategische Ausrichtung werde man schon Einfluss nehmen. So halte er eine Ausweitung auf neue Märkte ebenso für richtig wie Zusammenschlüsse mit anderen Unternehmen. «Alles ist denkbar: Expansionen, strategische Beteiligungen, Partnerschaften, Kooperationen oder Übernahmen.»

Die mit der EdF-Beteiligung begonnene internationale Ausrichtung haben der EnBW nach den Worten von Mappus gutgetan und soll fortgesetzt werden: «Die EnBW ist zu groß, um nur die Rolle eines großen baden-württembergischen Stadtwerkes zu spielen.» Aber es sollten auch kleinere Aktionäre stärker einbezogen werden: «Für die Eigentümerstruktur wäre es gut, wenn man kleineren Anteilseignern wie Stadtwerken aus dem Land die Chance zum Einstieg gibt.» In diesem Punkt bestehe auch Übereinstimmung mit den oppositionellen Grünen im Landtag.

Er halte auch an seinem Vorhaben fest, dass sich das Land in den kommenden Jahren wieder aus der EnBW zurückziehe: «Ich war, bin und bleibe der Überzeugung, dass das richtig ist, aber ohne Zeitdruck geschehen muss - je nachdem, wie sich die strategische Position darstellt. Alles, was wir dort tun, muss im Interesse des Landes entschieden werden.» Er habe nichts gegen den Einstieg auch ausländischer Investoren. Ihnen dürfe allerdings nur eine Minderheitsbeteiligung zufallen. Die EnBW müsse ein baden-württembergisches Unternehmen bleiben: «Die Mehrheit muss immer bei uns - sprich in Baden-Württemberg - sein.»

Die fünf Aufsichtsratssitze, die dem Land als neuem Großaktionär zustehen, will Mappus auch mit Fachleuten von außen besetzen: «Ich habe vor, auch Leute aus der Wirtschaft zu berufen, es muss eine gute Mischung sein.» Wer in das EnBW-Kontrollgremium gehen soll, werde auch noch vor der Landtagswahl am 27. März 2011 entschieden. Der Aufsichtsrat soll im April neu gewählt werden.

Mappus verteidigte erneut den Vertragsabschluss zum Kauf der EnBW-Aktien von der EdF ohne Wissen und vorherige Zustimmung des Parlaments und betonte: «Ich weiß, dass ich dem Landtag viel zugemutet habe und wegen der notwendigen Vertraulichkeit auch zumuten musste. Das muss aber die absolute Ausnahme bleiben.» Viele zustimmende Reaktionen auch aus der Wirtschaft bestätigten ihm aber, dass es richtig gewesen sei, so zu handeln.