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Extra Stellen für behinderte Menschen bei der Polizei - geht das? Ja, sagt der zuständige Behindertenvertreter und verweist auf Belgien und ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen.
Polizisten © dpa
23.12.2014

Mehr Stellen für behinderte Polizeibeamte gefordert

Blinde in der Abhörtechnik, Rollstuhlfahrer im Innendienst: Der Schwerbehindertenvertreter der Polizei, Michael Karpf, fordert mehr Stellen für behinderte Menschen. Das Innenministerium solle mit Unterstützung der Agentur für Arbeit zumindest befristete Stellen für sie einrichten.

«Ich würde mir wünschen, dass die Polizei mit einem Leuchtturmprojekt vorangeht», sagte Karpf. Das Innenministerium verweist auf Haushaltszwänge und die hohen gesundheitlichen Anforderungen an Polizisten. Bei den behinderten Menschen gebe es «gerade im Bereich Technik viele gut Qualifizierte», sagte Karpf. Es gibt Vorbilder: In Belgien hat die Polizei eine blinde Einsatzgruppe für Abhöreinsätze geschaffen. In Nordrhein-Westfalen beschäftigt das Landeskriminalamt blinde und sehbehinderte Menschen für die Spezial-Auswertung von Daten.

Der stellvertretende Polizeipräsident, Dietrich Moser von Filseck, reagierte zurückhaltend auf Karpfs Vorstoß. Er verwies auf das zuständige Sozialministerium und darauf, dass für solche Stellen die Landesregierung zunächst Mittel in den Haushalt einstellen müsse. «Wir können ja nicht einfach, weil wir lustig sind, eine Stelle schaffen», sagte Moser von Filseck.

Außerdem, betont der Spitzenbeamte, könnten Polizeivollzugsbeamte nur bei absoluter körperlicher Fitness eingestellt werden. Zum anderen sei es ihm wichtiger, für Kollegen, die während der Dienstzeit behindert würden, einen neuen adäquaten Arbeitsplatz zu finden, als für Außenstehende neue Stellen zu schaffen.

Moser von Filseck betonte, Polizisten seien nicht zuletzt für die Sicherheit von Menschen zuständig. Es sei der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln, «dass der Kollege aufgrund seiner Behinderung nicht mehr aus dem Streifenwagen kommt». Allerdings könne es in dem Punkt verständlicherweise auch Reaktionen auf übergewichtige Beamte geben.

Karpf wies darauf hin, dass es sehr schwierig für behinderte Menschen sei, sich bei Bewerbungen auf reguläre Stellen gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Deswegen bietet die Bundesagentur für Arbeit eine Beschäftigungsinitiative im öffentlichen Dienst für schwerbehinderte Akademiker an. Schafft eine Behörde hierfür eine befristete Stelle, können laut Bundesagentur rund 20 Prozent der Lohnkosten über Zuschüsse abgedeckt werden. Einige Bundesministerien haben demnach schon mehrere Stellen geschaffen, die letztlich entfristet wurden.

Der Behindertenbeauftragte des Landes, Gerd Weimer, will in Kürze bei den Landesministerien wegen des Projektes der Bundesagentur für Arbeit vorstellig werden. «Das gilt für alle Ministerien», sagte er. Während das Innenministerium allerdings die Behindertenquote von fünf Prozent erfüllt, liegen das Wissenschafts- und das Kultusministerium noch deutlich darunter.